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Madeleine Sauveur philosophiert im Göttinger Apex

Eine Frau, viele Facetten Madeleine Sauveur philosophiert im Göttinger Apex

Weil zwei Hände nicht reichen, um die Facetten von Madeleine Sauveur darzustellen, spielt ihr Pianist Clemens Maria Kitschen zusätzlich mit dem Fuß auf seinem Tasteninstrument. „Du, Madeleine, ihr seid zehn – wie soll denn das geh’n?“, singt er und bearbeitet wild das Klavier. Zu Gast im Apex gibt Sauveur am Sonnabend ihr Bestes, um ihre unterschiedlichen Ichs zu zeigen.

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Sängerin mit Begleitung: Sauveur mit Clemens Maria Kitschen.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Sie singt mit französischem Akzent, beschwert sich darüber, dass niemand ihren Namen auszusprechen wisse. Sie stellt „ihren Clemens“ als „Dompteur, Souffleur und auch persönlichen Masseur“ vor. Seit mehr als 16 Jahren sei er stets an ihrer Seite.

„Ich komme selten allein“, heißt Sauveurs Kabarett – und dem macht sie mit ihrer Vielseitigkeit alle Ehre. Mal gibt sie sich adrett, mal zynisch, mal energisch, schnippisch, aufbrausend,  dann lieb, hilflos, schmollend. Sie wechselt Monolog und Dialog ab mit Gesang, spricht mit Dialekten und Akzenten. Dabei gestikuliert sie wild, ihre Mimik ist zumeist überzogen dramatisch.

Lügen und Liebesbeziehungen sind bei ihr ebenso Thema wie die Rollenverteilung der Geschlechter, unnütze Gutscheine als Geburtstagsgeschenk oder Klischees über Schweden. Wenige Accessoires zaubern aus Sauveur eine Diva, eine Bayerin oder eine alte Dame mit Zeter-Stimme, Stock und Rollator.

„Manche Männer mögen ein festes Bindegewebe eben lieber als feste Bindungen“, trägt Sauveur vor und erntet dafür einige Lacher. Sie berichtet, dass es Tage gebe, an denen sie ganz Frau sei: weinen, mit Freundinnen telefonieren und nur vorwärts einparken! Dann spielt sie den Mann. „Schatz, bring mir einen Tee. Wehe, du verschüttest etwas.“

Sie fläzt sich auf dem Barhocker und erklärt: „Ich will jetzt nicht reden, ich habe genug Probleme.“ Auch an „reichen Erbinnen internationaler Versandhäusern“ lässt Sauveur an diesem Abend kein gutes Haar: „Reichensteuer? Wir haben’s so knapp.“

Und doch kann Sauveur nicht nur fröhlich-lustig – sie kann auch rockig, sie kann verärgert, sie kann nachdenklich. „Sich selbst finden? Ist man sich nicht so genug?“

Immer wieder zeigt die 54-Jährige, dass sie nicht nur Kabarettistin, sondern auch Sängerin ist. Sie singt die Arie „König in der Nacht“ über den schwedischen König Carl Gustav im Rotlichtviertel, trifft erstaunlich hohe Töne.
Kitschens Schauspiel wirkt manchmal weniger gekonnt, musikalisch beweist er dagegen viel Qualität.

Nahezu akrobatisch zeigt er sich, als er zeitgleich Klavier und Akkordeon spielt. Sauveur agiert durchweg hoch professionell. Als in einigen Momenten ihr privates Ich durchscheint, ist ein freundliches, warmes Lächeln zu sehen – eine weitere Facette.

Von Theresa Hellwig

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