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„Männervernichtungsmaßnahmen“ im Deutschen Theater Göttingen

Premiere im Keller des Deutschen Theaters „Männervernichtungsmaßnahmen“ im Deutschen Theater Göttingen

Wo steht der Feminismus heute? Damit befasst sich Sabrina Glas in ihrem Stück „Männerverichtungsmaßnahmen“, das am Sonntag, 15. März, im Keller des Deutschen Theaters (DT) in Göttingen Premiere hatte.

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Zuhause in der Party-Szene: Dominik Bliefert, Sarah Hostettler und Anna Rot (von links).

Quelle: Dorothea Heise

Und wenn jede von uns fünfhundert Pfund im Jahr hat und ein Zimmer für sich allein; wenn wir an die Freiheit gewöhnt sind und an den Mut, genau das zu schreiben, was wir denken; [...], dann wird diese Gelegenheit kommen“, schrieb Virginia Woolf in „A room of One’s Own“. Auch Valery Solanas schrieb in den 1960er Jahren, was sie für gut und richtig hielt, ein Manifest für ihre Vereinigung zur Vernichtung der Männer, der S.C.U.M. – Society for Cutting up Men. Am 3. Mai 1968 war es Solanas, die Andy Warhol mit mehreren Schüssen schwer verletzte. Ihr Manifest wurde kurz darauf verlegt und steht immer in Verbindung mit dem Attentat. 

Im Deutschen Theater hat Sabrina Glas mit „Männervernichtungsmaßnahmen. Oder Schluss mit Feminismus“ an Solanas Geschichte und Ideen entlang ein Stück entwickelt, das Historie und Stand des Feminismus wohl „augenzwinkernd“ betrachten will. 

Widersprüchlichkeit

Die Filmregisseurin Mary Harron hatte 1996 mit „I shot Andy Warhol“ bereits ein genaues Bild der Kunstszene der 1960er Jahre und auch, soweit möglich, der Radikalfeministin gezeichnet. Sie hat Solanas aus der Ecke der allein von Wahnvorstellungen besessenen Emanze geholt und in ihrer Widersprüchlichkeit gezeigt. 

Collageartig verwebt Glas die Dialoge und auf der Bühne nach außen gekehrten inneren Monologe. Die Schauspieler Sarah Hostettler, Anna Rot und Dominik Bliefert zeigen die zunächst wie in Sackleinen gewandeten Feministinnen und eine Drag-Queen, später die in der Kunst- und Partyszene zunächst aufgehenden, dann verstoßenen glamourösen Frauenrechtlerinnen. Marianne Rosenbergs „Ich bin wie du“, steht gegen die immer wieder auftauchenden Zitate Elfriede Jelineks oder auch Luise Puschs „Alle Menschen werden Schwestern“. Auf der anderen Seite kommen aber auch Berti Vogts und die FPÖ zu Worte. Nicht fehlen darf da Ina Deters „Frauen kommen langsam – aber gewaltig“. 

Die Frau heute?

Ein leider recht kurz greifender historischer Parforceritt, der seine Berechtigung trotz des schönen Spiels der drei Darsteller schuldig bleibt. Denn wo steht, bei allem Augengezwinker, bei allem Humor, der Feminismus, die Frau heute? Eine Stellungnahme, zumindest ein Bezug wäre schön gewesen – sonst scheint es beliebig. 

Nächste Termine im Keller des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11: 19. und 24. März, 7. und 20. April um 20 Uhr. Karten unter Telefon 0551/ 496911.

                                                                                                                  Von Tina Lüers

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