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Mal familiäre, mal schweißtreibende Konzerte

6. Indoor-Altstadtfest Mal familiäre, mal schweißtreibende Konzerte

Dem einen kam das Handtuch abhanden, den anderen der Sänger. Natürlich verläuft ein Ereignis wie das Göttinger Indoor-Altstadtfest nicht gänzlich ohne Pannen, aber die sechste Auflage des Festivals am Freitag doch weitgehend.

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Gut drauf: Das Publikum von „Selling Illusions“ in der Tangente.

Quelle: Pförtner

Göttingen. 29 Bands oder Solisten in zehn Clubs sind ein üppiges Angebot.

Ein Bändchen ums Handgelenk verschafft Eintritt in alle Lokalitäten – sofern noch Platz vorhanden ist. Den gibt es noch ausreichend gegen 21.15 Uhr im Live-Club Exil. Hier sollten eigentlich „Peanut Gallery“ auf der Bühne stehen, die Vorjahressieger des Bandwettbewerbs Rock am Kaufpark. Doch der Plan  musste geändert werden.

Der Sänger von „Bitune“, die an zweiter Stelle vorgesehen waren, liege mit eingeklemmtem Nerv in der heimischen Badewanne, erzählte Türfrau Bea Roth. Also startete Bitune instrumental, ein wenig unterstützt von Kollegen des Abends. Doch was die drei Stammmusiker an Gitarre Bass und Schlagzeug zeigten, war vor allem unter diesen Umständen beachtlich. Hoffentlich treten sie bald einmal vollständig in Göttingen auf.

In der Tangente rocken derweil „Selling Illusions“ mit Betonung auf rocken. Ihre Musik bietet wenig Überraschendes. Doch die Zuhörer auf der gut gefüllten Tribüne gehen mit. Der Rest des Ladens in der Goetheallee ist noch weitgehend leer.

In der Blooming Bar geht es eher familiär zu. Die Singer/Songwriterin Beate Pröttel plaudert entspannt mit dem Publikum. Nach ihrem Set geht sie fröhlich auf Wünsche ein. Die Menschen versinken in Sofas und lassen es sich gut gehen. Dann baut Jürgen Ufer sein Equipment auf. Neben seiner Gitarre, die deutlich besser klingt als jene von Pröttel, gehört auch eine Batterie von Kräuterlikör-Fläschchen dazu. Ufer presst seine Texte und Melodien hervor. Schon häufiger war der Ex-Göttinger zu Konzerten in der Stadt. Er kann ruhig wiederkommen.

Auch das Apex ist gut gefüllt. Hier ist das Duo Ben Schadow und Pele Caster zu Gast. Beide sind von Haus aus Bassisten, Schadow bei Bernd Begemann, Caster bei Klee. Sie zeigen, dass sie mit eigenen Texten und akustischen Gitarrenklängen auch vorne an der Rampe gut unterhalten können. Die Musiker schreiben spaßiges Popgut zwischen Fußball und Frauen, so spaßig, dass das Publikum freundlich mitsingt, wenn es denn dazu aufgefordert wird.

Bis oben an die Treppe drängeln sich die Menschen im Pools, um „Kalter Kaffee“ aus dem Untergeschoss zumindest zu hören. Derweil wird unten gescherzt und gelacht. „Kein Sex mit Nazis“ verkündet das fitte Liedermacher-Trüppchen aus Erfurt musikalisch, das Publikum stimmt zu.
Im Kellergeschoss der Diva Lounge sind gerade „Der Schulz“ und Dr. Hagen durch.

Schulz lässt sich von jungen Frauen erzählen, wie cool sein Auftritt war, was der Sänger ebenfalls cool findet und mit einem Autogramm belohnt. „Call me Penelope“ macht sich derweil bereit, doch es zieht sich ein wenig. Ein kurzer Abstecher in den oberen Gastraum kostet unweigerlich den Platz. Und als die Band dann startet, ist das keine Offenbarung. Eine starke Sängerin, wenig originelle Melodien.

Im Nörgelbuff will derweil Matze Hess sein Handtuch zurück. Einer der Vormusiker soll es entwendet haben, meint der Gitarrist. Flugs ist es wieder da. Hess ist Mitglied von „Männerwirtschaft“, einer der ältesten aktiven Bands in der Region.

Die Kapelle covert, doch das auf ganz hohem Niveau. Der schweißtriefende Tobi Langer am Schlagzeug und der in sich versunkene E.T., der auch Schildkröte bei Olli Dittrichs „Dittsche“ spielen könnte, liefern ein präzises Fundament, auf dem Hess aus seinem Instrument herausholt, was drin ist – der beste Gitarrist des Festivals. Voll ist es im Nörgelbuff und heiß wie in einer Sauna. Doch kein Vergleich zum Exil.

Dort jagen „Paddys Funeral“ ihren irisch-alkoholgeschwängerten Spaß-Folk-Punk durch die Boxen. Auch hier ist es inzwischen knallvoll, die Luft zum Schneiden. Schweiß perlt durch die Gegend, es riecht ein bisschen streng. Bea Roth öffnet nach 24 Uhr die zweite Hälfte der Eingangsdoppeltür. Frische Luft! Unten beim Konzert kommt davon nichts an. Egal. Ist doch Party.

Und die stieg ausgelassen in zehn Clubs und hatte, nach Angaben der Veranstalter, mit etwa 1500 Gästen nicht ganz so viele wie im Vorjahr.

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