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Malerei in klaren Räumen

„Künstler und ihre Ateliers“: Zu Gast bei Ute Gruenwald Malerei in klaren Räumen

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor.

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Ute Gruenwald vor einem ihrer monumentalen Bilder.    

Quelle: Wenzel

Sattenhausen. Farbgeruch liegt in der Luft. Ein Malerpodest steht in der Mitte des Raumes, daneben ein Arbeitstisch mit Werkzeug. Mit etwa 90 Quadratmetern Fläche, vier Metern Höhe und einer deckenhohen Fensterfront wirkt das Atelier von Ute Gruenwald wie kleine Halle. In einer Ecke gruppieren sich ein Arbeitswagen, eine Staffelei, ein Sessel, Stühle. Zwei Dinge fallen sofort auf: die bemerkenswerte Ordnung und das riesige Format der Bilder, die an den Wänden aufrecht stehen.

Ein Doppeldecker-Flugzeug scheint auf der Leinwand dem Betrachter entgegen zu brausen. Riesige Mohnblüten verführen mit ihrer giftigen Pracht. Und gewaltige Rüben ziehen den Blick auf ihre Runzeln und Furchen.

„Ich brauche ganz klare Räume und Klarheit um mich herum“, sagt Gruenwald. Und so war ihre künstlerische Arbeit auch einst einer der Gründe, sich Anfang der 90er-Jahre für Sattenhausen als Wohnort zu entscheiden. Hier konnte sie mit ihrem Lebensgefährten ein Haus mit großem Studio bauen.

Ideen sind für Ute Gruenwald die Basis ihres künstlerischen Schaffens. „Ich kann gar nicht anfangen, wenn da nicht eine Idee ist, aus der sich dann Konzepte entwickeln. Und weil eine Idee aus der anderen kommt, entsteht ein roter Faden und ein innerer Zusammenhang. Jede Idee findet dann ihre eigene Form“, erläutert die Künstlerin. Ursprünglich Malerin, arbeitet sie heute in den unterschiedlichsten Medien. Zu ihrem kreativen Spektrum gehören auch Installationen, Performance, Objekte und Fotoarbeiten.

„Kunst ist mir überhaupt sehr wichtig. Und in meiner gesamten künstlerischen Arbeit geht es mir vor allem um Kommunikation. Ich bin kein politischer Künstler. Aber ich will mit meinen Arbeiten und meiner Kunst Denkräume eröffnen, insofern ist es politisch“, erläutert die gebürtige Berlinerin. Freies Denken, auch in der Rezeption, ist ihr wichtig.

„Der Betrachter soll frei denken und interpretieren können.“ Ihre Metaphern fordern heraus, die Titel der Werke sollen „auf die Sprünge helfen“. „Dinge haben gleichzeitig immer etwas Positives und Negatives“, sagt die Künstlerin. Und so sind ihre Arbeiten immer auch ambivalent zu deuten. Sie sind spannungsreich, poetisch und auf hohem Niveau anspruchsvoll, in Handwerk und Technik wie auch inhaltlich.

An der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studierte Gruenwald Malerei und Kunst am Bau. Damals sei alles sehr politisch gewesen, aber sie wollte sich „nicht von irgendeiner Bewegung oder Stilrichtung vereinnahmen lassen“. Und um eine eigene Entwicklung nehmen zu können, begann Gruenwald mit altmeisterlicher Malerei.

1969 wanderte sie mit ihrer Familie in die USA aus. Nach der Zeit der Kindererziehung nahm sie noch mal ein Studium auf, das sie in Los Angeles mit dem Master of Fine Arts abschloss. „Das war für mich eine fantastische Zeit des Lernens.“ Der Zugang zu neuen Medien und neuer Malerei war eröffnet. Als Mitbegründerin von Studios widmete sich Gruenwald der Lehre. 1991 folgte die Rückkehr nach Deutschland, wo sie seither ihre Arbeit und Lehrtätigkeit fortsetzt.

Wo soll es hingehen? „Es geht im Prinzip so weiter. Die Ideen, die sich entwickelt haben, werden noch weiter entwickelt und umgesetzt“, sagt Gruenwald. „Ich habe furchtbar viele Ideen, schreibe alle in Büchern auf und komme nicht hinterher.“

Von Karola Hoffmann

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