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Mann des Abends ist Fußballer Max Kruse

5. Komische Nacht in Göttingen Mann des Abends ist Fußballer Max Kruse

Christian Schulte-Loh ist im Kulturzentrum Musa der erste von fünf Comedians der Komischen Nacht. Sieben Künstler waren am Dienstag unterwegs, um auf sieben Bühnen in Göttingen und Rosdorf zu zeigen, was die Comedyszene zu bieten hat.

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„Das war aber 'n schäbiger Applaus.“ David Kebe bei der Komischen Nacht in Göttingen

Quelle: SPF

Göttingen. Die Uhr läuft. 25 Minuten dauert eine Show, dann wechseln die Künstler das Lokal, wo jeweils fünf Auftritte stattfinden. „Einen Querschnitt der aktuellen Comedyszene in Deutschland“ will die Kulturagentur Mitunskannmanreden den Besuchern des Comedy-Marathons präsentieren. In der Musa ist Schulte-Loh am Dienstag der erste auf der Bühne. Hier ist der Saal nahezu gefüllt. Apex, Nörgelbuff, Monros Park, Weender Hof, De Medici und La Locanda sind schon seit Wochen ausverkauft.

Sympathisch, schlacksig, schlagfertig: Schulte-Loh ist seit Jahren als deutscher Komiker in London im Einsatz. Und in der Musa hat er der Zwei-Meter-Mann das Publikum auch sofort auf seiner Seite und in die Show eingebaut, ob Lehrer Ulli als „Klugscheißer“ des Abends oder Zuschauer Thomas mit seinen unfreiwillig komischen Ein-Wort-Antworten. Der Stand-up-Comedian witzelt über seine Größe, die Nachbarn und seinen Vater, der als Polizist mit Sparsamkeitstick den Wasserwerfer zu einer Art Prostataproblemzone macht. Schulte-Loh bringt das Publikum mit seinem lockeren Mundwerk bestens auf Temperatur.

Steigendes Alter, sinkende Sehschärfe

„Ich bin jetzt in dem Alter in dem man versucht, das steigende Alter mit sinkender Sehschärfe zu kompensieren.“ Johannes Flöck, „demnächst 48“ und Comedian aus Köln sieht dem allmählichen Verfall und alltäglichen Marotten gelassen entgegen. „Meine Freundin hat mehrere Diäten gleichzeitig gemacht, damit sie genug zum Essen bekommt.“ Flöck, auch gern gesehener Gast in TV-Sendungen, überzeugt locker und souverän mit viel Bühnenerfahrung und präzisem Zeitgefühl bei den Pointen.

„Das war aber 'n schäbiger Applaus.“ David Kebe zeigt gleich bei der Begrüßung, dass er nicht unterwegs ist, um Sympathiepunkte einzusammeln. Überhaupt gibt er eher den Antityp mit schrägem Humor und schräger Sicht auf die Welt. Ansonsten setzt sich der 31-Jährige sehr für seine Heimatstadt Köln ein, die seit der Silvesternacht ein reichlich ramponiertes Image hat: „Wir wollen nicht die Stadt sein, in der Männer die Frauen begrabschen. Wir wollen die Stadt sein, in der Männer Männer begrabschen.“

Von nervigen Öko-Muttis und peinlichen Alt-Nazis

Die Fraktion grauer Oberlehrer mit Hang zu Witzen unter der Gürtellinie gibt Uwe Kleibrink in der Rolle des Kurt Knabenschuh ab. Der Kabarettist aus Wuppertal ist ein sehr genauer Beobachter menschlicher Schwächen und Eigenarten und entlarvt die Realsatire im Alltäglichen. Nervige Öko-Muttis, peinliche Alt-Nazis und Menschen, die ihr Essen fotografieren. Knabenschuh legt den Finger in alle Wunden.

Der Rausschmeißer des Abend ist Freddy Farzadi. Das charismatische Energiebündel aus Hamburg macht einen auf prolligen Kiez-Türsteher („zweistelliger IQ mit Komma“) und nimmt sich selbst kräftig auf die Schippe. „Ich bin so der Typ: Ich kann essen, was ich will, ich nehm nicht ab. Ich hab mich einfach auseinander gelebt.“ Der Mann schwitzt, rappt, quasselt und versprüht dabei ganz entspannt gute Laune. Der Höhepunkt – und leider auch das Ende – des Abends: Ein schunkelndes Publikum, das „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ grölt.

Weitere Künstler, die bei der Komischen Nacht mitmachen, sind die Comedians C. Heiland und Matthias Jung. Insgesamt ein sehr witziger Abend mit sehr unterschiedlichen Stilen und Facetten des Humors, aber nur einem Mann des Abends. Für Skandal-Fußballer Max Kruse hagelte es unisono reichlich Häme.

Von Karola Hoffmann

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