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Mark Britton mit „Forever Jungs“ im Göttinger Apex

Romantisches Dinner Mark Britton mit „Forever Jungs“ im Göttinger Apex

Alt werden ist nichts für Feiglinge, lautet ein bekanntes Zitat. Schließlich werden die Zipperlein jenseits der 50 nicht weniger. Einblicke in die Zeit zwischen „Skateboard und Rollator“ hat Stand-up-Comedian Mark Britton am Sonnabend im ausverkauften Apex gegeben.

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Viel Feingefühl und Bühnenerfahrung: Mark Britton.

Quelle: Heller

Göttingen. Das Motto seines Programms: „Forever Jungs! Manche mögen‘s immer noch heiß“. „Born to be wild“ dröhnt es aus den Lautsprechern, und schwungvoll kommt der gebürtige Engländer auf die Bühne. Vor ein paar Jahren sei er schon mal in Göttingen gewesen, stellt sich Britton vor und fragt in die Runde, wer auch da war und wer ihn gar nicht kenne. Unter dem Strich sind es nicht viele, aber man sieht den Funken schon förmlich überspringen. Und nachdem der Wahl-Kölner gezeigt hat, dass er seinen Namen tanzen kann („es gibt auch Waldorfschulen in England“), hat er sein Publikum bereits für sich gewonnen. Nach wilden und schier endlosen Verrenkungen erklärt er knapp: „Das war der erste Buchstabe.“ Die Lacher sind verdient. Der Comedian versteht sein Handwerk. Und für fast zwei Stunden gilt: Zurücklehnen, bequem machen, einfach Spaß haben.

Nach einem kurzen Exkurs über tagesaktuelles Fußballgeschehen geht es in den turbulenten Alltag eines 56-Jährigen. Bandscheibenvorfall, Zahnfleischschwund und Nasenhaartrimmer: Die Einblicke sind ernüchternd. Ein Candle-Light-Dinner endet mit einem Selfie samt Rucola zwischen den Zähnen und einem Facebook-Kommentar der Ehefrau: „Mein romantisches Dinner mit Fury.“ Brittons Bühnenfigur nimmt sich selbst nicht zu ernst.

Der Freund in der Midlifecrisis, der Teenager-Sohn, der zum neuen Alphatier in der Familie mutiert, die Ehefrau, die genüsslich die Anwandlungen ihres gereiften Romeos in den Wechseljahren in Zaum hält: In einer Mischung aus Stand-up-Comedy, Pantomime, Situationskomik und Slapstick spielt Britton die Szenen in verschiedenen Rollen und mit sämtlichen Geräuschen so lebendig vor, dass man sich in einem Bilder- und Geschichten-Reigen wiederfindet. Und im zweiten Teil des Programms geht es selbstironisch von Gedächtnisverlust über Prostataprobleme bis zu Hitzewallungen beim Hormon-Yoga den Symptomen des Klimakteriums auf den Grund.

Britton ist sympathisch, wirbelt, schwitzt und präsentiert Stand-up-Comedy auf hohem Niveau. Mehr als 30 Jahre Bühnenerfahrung als ausgebildeter Comedian und Pantomime, dazu studierter Psychologe, Autor für Theater und Fernsehen, Coach und Regisseur für Kabarettisten und Comedians. Die Vita ist beeindruckend, und was Britton auf der Bühne und bei seinem feinfühligen Umgang mit dem Publikum bringt auch. Handyklingeln, ein Versprecher, der Verlust des Mikro-Kabels: Jede Regung und jedes Malheur wird sofort in das fein tarierte Programm eingebaut. Jede Pointe sitzt punktgenau. Großer Applaus vom Publikum. Und Chapeau.

Von Karola Hoffmann

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