Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Auf der Suche nach dem schönsten Lied

Martin Gallop im Liveclub Nörgelbuff Auf der Suche nach dem schönsten Lied

Es ist still im Raum. Mit einer Kurbel wird ein altes Grammophon in Gang gesetzt. Leise, atmosphärische Töne erklingen aus dem Hintergrund bis Martin Gallop zu dezenten Klaviertupfern seine warme Stimme erklingen lässt. Mit „Most beautiful Song“, dem Titelstück seiner aktuellen CD, eröffnet Gallop sein Konzert.

Voriger Artikel
„Elvis – Das Musical“ in Göttingen: Luft nach oben
Nächster Artikel
Abend voller Raritäten

Martin Gallop

Quelle: dpa

Göttingen. In dem Stück geht es um einen Traum, in dem ihm eben solch ein „schönster Song“ diktiert wird. Er vergisst jedoch, ihn aufzuschreiben.

Gallop, in Kanada geboren, hat über Umwege 1983 seine Heimat in Deutschland gefunden. Nach einer Reihe anderer Jobs arbeitete er mit Künstlern wie Udo Lindenberg, Till Brönner und Annett Louisan zusammen. 2001 brachte er sein erstes eigenes Album „How much is the world“ heraus.

In früheren Jahren war Gallop häufiger in Göttingen und hat hier viel erlebt. Beim Gang durch die Stadt vor dem Konzert kommt ihm der Gedanke, „vielleicht auf die Geister von damals zu treffen“. Ein Motto für seine Lieder hat er mit dem Zitat „Ich habe meine Prinzipien. Wenn sie ihnen nicht gefallen, habe ich andere“ frei nach Graucho Marx gefunden. Seine Konzerte bezeichnet Gallop augenzwinkernd  als Psychotherapie. Dafür zahlten die Besucher, und sie seien dann seine Therapeuten. Gallop ist ein launig-humoriger Geschichtenerzähler. In seinen Konzerten experimentiert er mit analogen Soundtüfteleien. „Holding down the fort“ ist sein Oldenburg-Song. Hier hat er eine geraume Zeit gelebt. In dem Lied wechselt er von der Gitarre zum Klavier. Dezentes Möwengeschrei ertönt aus dem Hintergrund. In „The little blue store“ weckt er Erinnerungen an einen kleinen Laden in seinem Heimatort in Kanada, in dem er immer seine Süßigkeiten gekauft hat. Gallop singt dabei in ein Mikrophon, das, über einen Gartenschlauch mit dem Grammophon verbunden, seiner Stimme einen eigentümlich verzerrten, räumlichen Klang verleiht. Die Idee zu der Umsetzung fand er in einem Baumarkt. Dazu erklingt ein Knistern wie beim Abspielen einer Langspielplatte. Die Zuschauer werden in eine andere Zeit versetzt. Das wunderbar atmosphärische „Annabelle“ hat Gallop nach seiner Trennung von Annett Louisan an sie geschrieben. Per Fußpedal erzeugt Gallop zur Gitarre harmoniumähnliche Klänge über eine indische Shruti Box. Seiner großen Verehrung für Marlene Dietrich verleiht er mit dem in Deutsch gesungenen „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ Ausdruck.

Zum Ende des Konzertes findet er dann mit einer improvisierten Fassung von „As time goes by“ zurück zu seiner Suche nach dem „Most beautiful song“. Ein schöner Abend mit einem außergewöhnlichen Künstler.

Von Jörg Linnhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff