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Passion Percussion

Niedersächsische Musiktage eröffnet Passion Percussion

Der Österreicher Martin Grubinger gehört zur absoluten Weltspitze der Perkussionisten. Mit großem Temperament und Dynamik spielt er mit seinem Ensemble „Percussion Planet“ ausgedehnte Konzerte, tritt oft mit großen Orchestern und erreicht mit zeitgenössischer klassischer Musik ein breites Publikum.

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Quelle: Jörg Linnhoff

Der Abend beginnt stimmungsvoll draußen im Hof vor dem PS.Speicher mit Grußworten zu den 30. Niedersächsischen Musiktagen von Dr. Gabriela Andretta, SPD-Landtagsabgeordnete, und Thomas Mang, Präsident der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Im Anschluss geben Schüler der Berufsbildenden Schule Einbeck, darunter mehrere Flüchtlingsklassen, unter Leitung von Stephan Krause, Schlagzeuger im Hamburger Ensemble „Elbtonal Percussion“, eine beeindruckende Perkussion-Vorstellung auf einem Soundmobil. Diese zwei Meter hohe und fünf Meter breite Schrottskulptur wurde von den Jugendlichen unter Anleitung von Eberhard Schmah entworfen und gebaut. Zum Ende der Vorstellung mischen sich auch Martin Grubinger und sein Ensemble unter die Schüler.

Dann geht es rein in die gerade fertiggestellte PS.Halle, die humorig von dem „Hausmeister“ und Initiator des Gebäudes, Karl-Heinz Rehkopf vorgestellt wird.

Grubinger und sein 5-köpfiges Ensemble haben sich ein sehr spezielles Programm für das Eröffnungskonzert überlegt. Gemeinsam mit dem Trio Boris Brovtsyn, Violine, Alexey Stadler, Violoncello und Per Rundberg, Klavier, verbinden sie die Sinfonie Nr. 15 von Dmitri Schostakowitsch in einer extra für diese Besetzung geschaffenen Bearbeitung mit dem rhythmisch hochkomplexen Werk „Pléïades“ für sechs Schlagzeuger des griechischen Komponisten Iannis Xenakis. Beide Werke entstanden in den 70er Jahren.

Fast übergangslos tragen die Musiker jeweils einen Satz der beiden Werke im Wechsel vor. Xenakis hat die Reihenfolge seiner Sätze den jeweils Vortragenden überlassen. Grubingers Ensemble beginnt mit „Claviers“ (Tasten). Marimbaphon, Xylophon und Vibraphon erklingen mal zart und dann wie in einem organisierten Chaos mit fließenden, kräftigen Anschlägen.

Sehr lebhaft, fast fröhlich kommt der erste Satz von Schostakowitsch mit seinem bekannten Zitat aus Rossinis „Wilhelm Tell Ouvertüre“ daher. Schostakowitsch hatte die Sinfonie schon in der ursprünglichen Fassung fast kammermusikalisch mit umfangreichem Schlagwerk angelegt. Sehr harte, metallische, fast schmerzhafte Klänge dann in Xenakis´„Méteaux“ (Metall), die in einer Art ungeordnetem Glockengeläut enden. Zarte Piano- und Violinenklänge bauen zu Beginn des zweiten Satzes von Schostakowitsch im Einklang mit dem klagenden Violoncello eine getragene Spannung auf.

Überhaupt lebt der gesamte Vortrag von den teils heftigen Kontrasten und ständigen Wechseln der Instrumente unter den perfekt harmonierenden Perkussionisten. Sensibel und feinfühlig kommt das Spiel des Klaviertrios dazu. Hochkonzentriert gehen alle Musiker zu Werke. Im letzten Satz des Werkes von Xenakis werden große Trommeln mit Urgewalt bearbeitet und zu einem rollenden, fast bedrohlichen Rhythmus, als zöge ein Unwetter auf. Das Zusammenspiel der sechs Perkussionisten kommt dem Wirken einer Maschine gleich.

Unter großem Applaus endet dieses außergewöhnliche Eröffnungskonzert mit Astor Piazzollas „Libertango“.

Von Jörg Linnhoff

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