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Martin Walser liest aus „Ein sterbender Mann“

Literaturherbst Martin Walser liest aus „Ein sterbender Mann“

Martin Walser zählt nicht nur zu den bekanntesten deutschen Autoren, er hat auch ein großes Werk geschaffen: Aufsätze, Lyrik, Erzählungen und rund 50 Romane. Am Sonnabend stellte der 89-Jährige im Alten Rathaus sein neues Buch „Ein sterbender Mann“ vor.

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Martin Walser und Co-Autorin Thekla Chabbi.

Quelle: Heller

Göttingen. Von Freundschaft, Verrat, Liebe und Selbstmord handelt dieser neue Roman. Der 72-jährige Theo Schadt, Geschäftsmann und Autor diverser Ratgeberbücher, will nicht mehr weiterleben. Er wurde von seinem Freund und Geschäftspartner betrogen und in die Pleite getrieben.

Grelle Helle

Nun sitzt er frustriert im Laden seiner Frau an der Kasse. Dort triftt er die 53-jährige tangobegeisterte Sina. Eine „grelle Helle“ triftt ihn und er bändelt mit Sina an. Gleichzeitg aber schreibt der lebensmüde Theo fleißig in einem Suizidforum im Internet mit. Hier ist es Aster, eine Frau mit „irreversiblem Todeswunsch“, die ihn fasziniert. 

Ein gutaufgelegter Walser liest mit angenehmer, fester Stimme einige Passagen aus „Ein sterbender Mann“. Seine Co-Autorin Thekla Chabbi trägt einen Reisebericht über Algerien vor, den sie wie die Briefe und E-Mails der Aster zum Roman beigesteuert hat.

Schon im Kopf

Im anschließenden Gespräch mit der Göttinger Literaturwissenschaftlerin Anke Detken geht es auch um diese ungewöhnliche Zusammenarbeit. Die habe sich ganz ungeplant ergeben, erzählt Walser. Er hatte den Roman schon im Kopf, wusste, dass sein Held Theo Schadt heißen sollte und nicht mehr leben wollte.

Bei einer Konferenz habe er die Sinologin Chabbi kennengelernt und von seinem Projekt erzählt. „Eine blöde Angewohnheit, wenn ich auf einen Roman zulebe, kann ich den Mund nicht halten“, so Walser. Chabbi machte ihn auf das Suizidforum aufmerksam. Der Schriftsteller entdeckte dort einen offenen, wachen, vielfältigen Austausch, der ihn beeindruckte. „Und da wusste ich, wo ich den Theo unterbringen kann, nämlich bei denen!“

Briefe werden zum Roman

Er habe den ersten Brief Theos an das Forum, an Chabbi geschickt und dann einen Brief der Aster zurückerhalten, die Theo scharf kritisiert und ihm die suizidale Reife abspricht. Das habe Stil gehabt, und dann sei aus diesem Briefwechsel ein Teil des Romans geworden.

Wie hoch der Anteil ist, den sie an dem Buch hat, will Chabbi nicht so gern sagen. „25 Prozent vielleicht. Ich habe ja nur diese Aster vertreten, und den Reisebericht geschrieben.“ Warum sie als Co-Autorin nicht auf dem Buchtitel erscheine? Es gebe einiges so nicht im Buch ohne sie, erklärt Walser. Aber – und da ist er ganz selbstbewusster Grandseigneur der Literatur – das sei ganz ohne Zweifel sein Roman.

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