Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Martina-Eisenreich-Quartett zu Gast im Alten Rathaus

Geschichten vom Mond Martina-Eisenreich-Quartett zu Gast im Alten Rathaus

„Contes de lune“, „Geschichten vom Mond“, heißt das aktuelle Album der Violinistin Martina Eisenreich. Jetzt hat sie mit ihrem Quartett im Rahmenprogramm des Jazzfestivals ein Konzert im Alten Rathaus gegeben.

Voriger Artikel
Göttinger Jazzfestival: Colosseum mit Jazzrock in der Musa
Nächster Artikel
Künstler aus Südostasien im Alten Rathaus

Erprobtes Zusammenspiel: M. Eisenreich und S. Glaubitz.

Quelle: Heller

Göttingen. Schon beim Anblick der Instrumente auf der Bühne können die Besucher ahnen, dass ihnen ein ganz spezielles Konzert bevorsteht. Neben einem Kontrabass,  mehreren Gitarren, einer Geige und einem antiken Geigensteg mit einem Horn fällt das mit exotischen Elementen wie Rahmentrommeln und einem „Waterphone“ ausgestattete Drumset ins Auge.

Zarte Klänge einer Kalimba, einem afrikanischen Daumenklavier, gespielt vom Perkussionisten Wolfgang Lohmeier, eröffnen das Konzert. Dezent kommt die Gitarre von Christoph Müller dazu bevor Stephan Glaubitz am Kontrabass und Martina Eisenreich mit ihrem Violinspiel das klangliche Gemälde vervollständigen. Seit vier Jahren spielt das Quartett in dieser Besetzung zusammen.

Wie das Album heißt auch ihr aktuelles Programm: „Geschichten vom Mond“. Darin erzählen sie Geschichten, „die sie erlebt haben und über Begegnungen mit besonderen Menschen“, wie Eisenreich charmant einführt. Eine Begegnung fand in der Toscana statt, in die sie jedes Jahr reisen. Es geht um „Giovanni il grande, der mit bloßen Händen ein Wildschwein erlegen kann“.

„Das Lied könnte aber auch „Giovanni il bandito heißen, weil der auch den  Polizeichef und Bürgermeister des Ortes gut kennt“, fügt Glaubitz augenzwinkernd hinzu. Eine Slidegitarre und dezente Perkussion lassen das Gefühl aufkommen, man befände sich in einem von Ennio Morricone vertonten Italowestern.

Raum für Improvisationen

Die Musik des Quartetts ist immer wieder geprägt von Klanglandschaften, die stark an Filmmusikkompositionen erinnern. Dies ist kein Zufall, da Eisenreich Dozentin für Filmmusik und Sounddesign in München ist. Die musikalischen Wurzeln sind keinem konkreten Genre zuzuordnen. Jazz und Folkloreklänge vermischen sich und bieten Raum für Improvisationen. Zusammen mit den humorvollen Erläuterungen strahlen sie eine große Lebensfreude aus, die sich schnell auf das Publikum überträgt.

In einem Lied wird die Großtante des Bassisten vorgestellt. Der Song beginnt passend mit „Andante Käthe“, um dann plötzlich in einen tanzbaren Rhythmus zu wechseln. Immer neue Instrumente werden eingeführt. Eine kleine irische Flöte, die Tin Whistle, „sei nicht sehr beliebt bei den Kollegen, da man mit ihr auch im Tourbus üben kann“, erläutert Eisenreich. Ein nostalgisches Lied von den Comedian Harmonists wird mit einer antiken Grammophongeige und einer kleinen Spieluhr bereichert.

Zum Ende des Konzertes bekommt Lohmeier Gelegenheit, all die Perkussionsinstrumente einzubringen, die noch nicht zum Einsatz kamen. „Dies sei Tradition“ so Eisenreich und so heißt das  Stück treffend auch „Die Chance“. Das Publikum spendet schließlich diesem außergewöhnlichen Quartett lang anhaltenden Applaus und geht nach mehreren Zugaben und einem wundervollem Konzert voller Überraschungen reich beschenkt nach Hause.

Von Jörg Linnhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff