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Matthias Schlicht mit „Eisfabrik“ in der Göttinger Johanniskirche

Kirchenkabarett Matthias Schlicht mit „Eisfabrik“ in der Göttinger Johanniskirche

Von Wyk auf Föhr bis zur Mitte des Herzens: Auf eine Reise durch die polaren Regionen des Lebens ist es mit dem Kirchenkabarettisten und Pastor Matthias Schlicht am Dienstag in der Göttinger Kirche St. Johannis gegangen. Zuvor hatte er noch einen dreistündigen Predigt-Workshop an der mitveranstaltenden Evangelischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Göttingen (ESG) gegeben.

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Aufmunternd, lustig, satirisch: Matthias Schlicht

Quelle: Pförtner

In Kirchenräumen kennt sich der promovierte Theologe bestens aus. Seit 1991 ist Schlicht Pastor der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und war unter anderem als Studentenpfarrer und Wissenschaftler an der TU Clausthal, zudem als Konventualstudiendirektor im Kloster Loccum tätig. Seit fünf Jahren wirkt der norddeutsche Pastor in der St.-Paulus-Gemeinde in Buxtehude, wo er sich mit einem Kollegen „eine halbe Dreiachtel-Stelle teilt“ und jeden Sonntag 220 Gottesdienst-Besucher kommen. Eine Zahl, die die zahlreichen Besucher in der St. Johannis mit hörbarem Respekt quittierten.

 

Nach kritischen Worten zum Thema Kollekte und Fundraising in der evangelischen Kirche erstaunte Schlicht mit einem Zaubertrick. Das Rätselraten beim Hütchenspiel mit Wasserbechern löste er mit dem Nachsatz: „Nur Pastoren können so lange sabbeln, bis Wasser verdunstet.“

 

Keck und mit ausladenden Bewegungen parlierte sich Schlicht irgendwo zwischen US-Komiker Jerry Lewis und NDR-Fernsehkoch Rainer Sass durch sein Programm. Augenzwinkernd gab er humoristische Einblicke in Alltägliches. Wie er den kalten Füßen seiner Ehefrau mit Bibelversen und Baumarkt-Material den Kampf ansagte, sich für einen Inselurlaub auf Föhr rüstete, hilfreich der Nachbarin mit den „Po-langen Latexstiefeln“ zur Hand ging und ein Paar-Seminar „Ehe ab 50“ der Evangelischen Erwachsenenbildung besuchte.

 

Satirisch näherte sich der Kirchenkabarettist auch politischen Themen. So sorge die Erderwärmung dafür, dass sich das menschliche Stammhirn erwärme, das Herz aber kühler und „langsam zur Eisfabrik“ werde. Zwischendurch trug Schlicht zur Gitarre Lieder vor. Mal lustig, mal aufmunternd, mal melodisch ging es dabei um Reinkarnation, Gottesdienstbesuche und Alltagsprobleme.

 

Schlicht traf den richtigen Ton bei seinen Zuschauern, die amüsiert lächelten und lachten. Nach lang anhaltendem Applaus und einer Zugabe endete der Abend besinnlich mit einem „Psalm“ des großen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. / Gott nahm in seine Hände meine Zeit, / mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, / mein Triumphieren und Verzagen, / das Elend und die Zärtlichkeit.“

 

Von Karola Hoffmann

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