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Maulwurf, Frosch & Co. bekommen Zuwachs

René Marik Maulwurf, Frosch & Co. bekommen Zuwachs

Anhänger, Aufkleber, Frühstücksbrettchen, Maulwurf-, Frosch- und Eisbärfingerpuppen – René Marik hat am Mittwoch in der ausverkauften Göttinger Stadthalle alles im Gepäck.

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Diplom-Puppenspieler mit Undergroundbonus: René Marik lässt Seifenblasen fliegen.

Quelle: Heller

An diesem Abend präsentiert der Diplom-Puppenspieler sein neues Programm „Kasper-Pop“. Er wird damit bis zum Frühjahr in 40 deutschen Städten auf der Bühne gestanden haben. Der Puppenspieler mit dem Underground-Bonus ist massenkompatibel geworden. Er hat den Durchbruch bei seiner ersten Tour „Autsch’n“ im vergangenen Jahr geschafft. Doch schlechter ist er deswegen nicht geworden.

Mariks Markenzeichen ist ein begriffsstutziger Maulwurf mit sprachlichem Defizit, der hoffnungslos in „de Babe“ (die Barbie) verliebt ist. Der „Maulwurf’n“, der im vergangenen Jahr das Zeitliche gesegnet hatte, ist zur Erleichterung der Fans wieder auferstanden und trifft nun erneut auf den ziemlich blasierten Frosch Falkenhorst, der mit seinen logopädischen Maßnahmen wieder kläglich scheitert. Dritter im Bunde ist Kalle, ein proletenhafter Eisbär, der sich die Zeit mit Selbstbefriedigung vertreibt.

Und natürlich ist auch „de Babe“ wieder dabei. Aber sie bleibt unerreichbar. Wie im wirklichen Leben: Die man haben möchte, kriegt man nicht, und die man haben kann (eine nymphomanische Maulwurfdame vom anderen Stern), will man nicht. Als „Hage Potte“ und mit einem „Abre Kadabre“ versucht der Maulwurf, sich seine Traumfrau herbeizuzaubern – klappt aber nicht. Als Winnetou streitet er sich mit „Frosch’n“ um die Hautfarbe – roter, grüner oder doch brauner Bruder. Auch Supermann und Spock haben ihren großen Auftritt. Marik ist zweifellos mit dem Fernsehprogramm der Siebziger groß geworden.

Das Ensemble hat in der aktuellen Show Zuwachs bekommen: Der Hasskasper gibt sich mit Glatze und Glupschaugen extrem fies. Von vorn durchs Publikum betritt er mit Marik die Bühne. Und lästert und hetzt in einer Weise, die ihm bestimmt keine Sympathien einbringt – aber das ist auch nicht gewollt. Auch bei Falkenhorst und Co macht der Kasper sich unbeliebt – spätestens als er einen Froschschenkel in die Pfanne hauen will.

Neben dem Kaspertheater geht es um Pop. Gespielt werden die unterhaltsamen Stücke von Marik als ,,Don Mercedes Moped“ an der Gitarre und dem Tastateur Professor Inge (Ingo Günther). Marik zeigt in seiner Show auch Videos. Er ist mit seiner Hasskasperbox, die wie sein Fotoautomat aussieht, auf die Straße gegangen und hat die Leute aufgefordert, mit Hilfe des Kaspers Dampf abzulassen. Die meist nicht witzigen, aber recht aufschlussreichen Sequenzen hat er aufgezeichnet und zwischendurch eingespielt. Die Hasskasperbox haben Mariks Leute auch im Foyer der Stadthalle aufgebaut. Das Göttinger Publikum ist aber entweder zurückhaltend oder hat einfach nichts zu motzen. Lediglich eine Frau traut sich hinein und lässt den Kasper kräftig fluchen. Danach bietet Ingo Günter, während Marik von Autogrammjägern umringt ist, die Handpuppe an wie Sauerbier. Nee, nee, nee, nee, nee, nee, nee, da will partout keiner mehr rein. Maulwurf’n hätten sicherlich alle genommen.

Von Eida Koheil

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