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Maybebop und die Göttinger Symphoniker in der Lokhalle

Reiz des Intimen Maybebop und die Göttinger Symphoniker in der Lokhalle

Göttingen. Maybebop steht für A-cappella-Kunst mit hoher Musikalität, für intelligente Texte, pfiffige Bühnenshow und besten Unterhaltungswert. Nun haben sich die vier Sänger erstmals mit einem Orchester zusammengefunden.

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Reich an Farbe in Kleidung und Klang: Maybebop. Im Hintergrund links dirigiert Enrique Ugarte.

Quelle: Heller

Am Sonnabend hatte die Paarung Maybebop und Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) Premiere in der prall gefüllten Lokhalle. „Lokhallen Symphonic“ haben die Veranstalter dieses Experiment getauft.

Kann das gut gehen? Ja, klatschte das Publikum am Ende nach dem gut zweistündigen Abend begeistert, nach alten Klassikern wie „Die Gedanken sind frei“, nach Grusel-Parodien auf die Comedian Harmonists, nach einer hinreißenden Volksmusik-Parodie und Impro­theater, um nur ein paar Schlaglichter auf die Vielseitigkeit von Maybebop zu werfen.

Das Programm war eine Kombination vieler alter Bestseller mit Liedern der jüngsten CD „Weniger sind mehr“, aus denen der bemerkenswert dramatische „Erlkönig“ im leicht modernisierten Schubert-Satz hervorgehoben sei. Hier – wie auch im „König in Thule“ – lehrte Abgrund-Bass Sebastian Schröder seine Hörer das Gruseln.

Mit viel Fingerspitzengefühl

Allerdings: Ganz unproblematisch ist die Koppelung von A-cappella-Gesang mit Orchester denn doch nicht. Das brachte Maybebop-Bariton Olli (Oliver Gies) in seinem finalen Dank auf den Punkt: Die Instrumental-Fassung könnte die Original-Arrangements unangemessen aufpusten. Und angefügt sei: Der besondere Reiz des Maybebop-Gesangs ist ja gerade die Kunst, Instrumente vokal nachzuahmen, was vor allem „Schlagzeuger“ Lukas Teske zum Staunen perfekt beherrscht.

Doch auf weite Strecken hat Enrique Ugarte – der an diesem Abend das GSO als Gastdirigent leitete – mit viel Fingerspitzengefühl Gesang und Instrumentalpart fein ausgewogen arrangiert. Da geben ein paar Bläserakkorde Farbe, die Orchesterschlagzeuger akzentuieren den Rhythmus, die Streicher grundieren den Gesamtklang, ohne dass die Sänger Mühe hätten, sich dagegen durchzusetzen.

Im Gegenteil: An solchen Stellen hatten sie deutlich mehr Freiheiten für ihre Show als sonst. Manchmal aber hatte Ugarte des Guten zu viel getan – was möglicherweise auch an einer nicht ganz gelungenen Abmischung in der Tonregie gelegen haben mag. Dann wurden die vier Sänger schier erdrückt vom Klangzauber des GSO. Und das ist dann gar nicht zauberhaft.

Prima Stimmung

Zum Glück aber waren dies die Ausnahme, nicht die Regel. Wobei die original belassenen A-cappella-Nummern – etwa das hinreißende Sololied von Oliver Thies „Kleiner grauer Falter“ – dann doch den Reiz des Intimen offenbarten, der in der orchestralen Umhüllung ein Stück verlorengeht zugunsten eines wohlklingenden, aber viel gewöhnlicheren Sounds.

Sei’s drum – die Stimmung war prima, die Show-Einlage von Jan Bürger als (beinahe) fliegender Superman brillant. Das Orchester, eine Woche zuvor noch mit Mahlers zehnter Symphonie auf perfektem spätromantischem Kurs, lieferte hochengagiert beste Unterhaltungsmusik mit fein abgestuften Klangschattierungen.

Zudem bewies es, bei der Improtheater-Einlage unvermutet zum Mitspielen dreier Blues-Akkorde aufgefordert, professionelle Geistesgegenwart. Und ganz zum Schluss, als letzte Zugabe auf die Standing Ovations, sang Maybebop noch die A-cappella-Version von Barbaras „Göttingen“-Lied. Einfach wunderbar.

Von Michael Schäfer

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