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Meisterwerk in der Schulaula entdeckt

Schumann-Bild Meisterwerk in der Schulaula entdeckt

Hinter aufgestapelten Stühlen lange Zeit verborgen, wurde im Max-Planck-Gymnasium ein Gemälde entdeckt, das der sogenannten Tischbein-Schule zuzurechnen ist. Jetzt lässt die Schule es von einer Restauratorin im Städtischen Museum instand setzen.

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Signatur und Datum entdeckt: Restauratorin Bettina Achsel mit dem Bild von Karl Schumann.

Quelle: CR

Als ich das Bild gesehen habe, dachte ich sofort an das Tischbein-Umfeld und an die Zeit 1775 bis 1825“, sagt Restauratorin Bettina Achsel. Seit Mai ist sie im Städtischen Museum Göttingen, das die Räume und Infrastruktur zur Verfügung stellt, damit beschäftigt, das 148 mal 202 Zentimeter messende Gemälde im Auftrag des Max-Planck-Gymnasiums zu restaurieren. Finanziert wird das Projekt vom Förderverein des Gymnasiums, Idolino, allerdings aus einem Sondertopf, so Vorsitzende Regina Möhring.

Weiße Kittspuren ziehen sich an einigen Stellen über die Oberfläche, doch das Sujet ist eindeutig zu erkennen: Es handelt sich um „Ödipus und Antigone auf Kolonos“. Auf dem Tisch stehen die Arbeitswerkzeuge, verschiedene Fläschchen, Spachtel und Pinsel. „Als erstes mussten strukturelle Arbeiten vorgenommen werden“, so die Diplom-Restauratorin, die sich viel mit der Zeit des Klassizismus beschäftigt hat. Die porösen Stellen der Leinwand werden neu verwebt und verklebt. Später kommt Firnis darüber und es entsteht wieder der „Ah, was für ein schönes Bild“-Effekt, so Achsel.

Bei der Arbeit und Reinigung hat sie das genaue Datum und den Maler des Bildes anhand einer Signatur auf einem Stein im Bildvordergrund ausmachen können: Es wurde 1808 von Karl Schumann (1767-1827) signiert. Er war zur Zeit des Klassizismus vor allem in Berlin und Potsdam tätig.

Kopf des blinden Ödipus

An den Wänden hängen Bilder, in mit denen Achsel und ein ganzes wissenschaftliches Netzwerk, das ihr beistand, auf die Einordnung und die Bezugnahmen des Malers verweisen kann: Die sieben Köpfe des so genannten Goethe-Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm (1751-1829), verweisen auf den Kopf des blinden Ödipus und ein weinender Kopf Guido Renis ist im Antlitz der Tochter zitiert.
„Das Bild war sicher nicht für die Schule oder ein Bürgerhaus gedacht“, vermutet Ernst Böhme, Leiter des Städtischen Museums. Die Kunstlehrerin Eva Suchfort hat es in der Aula entdeckt, aber über die Provenienz ist nichts bekannt, so Schulleiter Wolfgang Schimpf, „da steht noch Detektivarbeit an.“ Er freut sich über den Stoff für Facharbeiten und darüber, dass Kurse des Gymnasiums die Restaurierung, die in drei bis vier Wochen abgeschlossen sein wird, begleiten können.

Danach soll es im breiten Aufgang zur Aula seinen Platz finden. „Eine schöne Zusammenarbeit zwischen Schule und Museum“, meint Dezernentin Dagmar Schlapeit-Beck.

Im Rahmen der Nacht der Kultur am Freitag, 19. Juni, veranstaltet das Städtische Museum um 19 Uhr ein Werkstattgespräch mit der Restauratorin Bettina Achsel.

Von Tina Lüers

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