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Mendelssohn-Bartholdy-Abend

Goethe-Institut Mendelssohn-Bartholdy-Abend

Ein in seinem Ernst großer Abend war jetzt im ausverkauften Goethe-Institut Göttingen zu erleben: Die Sopranistin Sophie von Düring sang ein Dutzend Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Am Flügel wurde sie dabei von Alexander Kuhlo begleitet – „Begleitung“ ist freilich eine verkürzte Bezeichnung dessen, was der Komponist mit seinem Klaviersatz beabsichtigte, wie Kuhlo darlegte: Musikalische Motive deuten den Text aus, machen Stimmungen erlebbar. Durch seinen instruktiven Einführungsvortrag weckte Kuhlo hohe Erwartungen, was die interpretatorische Darbietung betrifft. Dem, was im Klavier durch die Komposition geschieht, hatte die Singstimme zu entsprechen. Für ihren Mut, dies zu unternehmen, muss man Sophie von Düring Respekt zollen, zumal sie sich dieser Aufgabe sehr achtbar entledigte. Nach einigen wenigen Intonationsproblemen in Spitzentönen und Unachtsamkeiten bei Zeilenschlüssen zeigte sie etwa bei der zweiten Suleika-Vertonung op. 57,3, dass ihre Stimme über beachtliches dramatisches Kolorit verfügt. Und mit Ungestüm stürzte sie sich in Höltys „Hexenlied“. In leiseren Liedern und geheimnisschwangeren Partien wünschte man sich noch etwas differenzierteren Gestaltungswillen und ein farbigeres Piano. Dass sie dessen fähig ist, bewies sie mit ihrer anrührenden Darbietung des „Herbstliedes“, in der ihre Stimme zu klangfarblicher Fülle und Einheit fand.

Alexander Kuhlo zeigte sich gefeit vor einem Übermaß sowohl an romantisierender Süße als auch an Klavierdonner, wozu gelegentlich der virtuose, Worte hinter sich lassende Klaviersatz verleiten könnte. Er war achtsamer Sachwalter der feinen Varianten dieser kunstvollen Strophenlieder, auch ihrer Zäsuren und Umbrüche und überführte in Lenaus „Schilflied“ konzentriert den an Brahms erinnernden wuchtigen Bass in das ätherische „stille Nachtgebet“ der Schlusszeile.

Für ihre zwischen die Lieder eingefügten Rezitationen hatte Meera Drude Briefe aus der Feder Mendelssohns ausgewählt: Sie las zunächst von Idyllischem und Heiterem, wurde zunehmend ernst und endete bei Depression, Krankheit und Tod, wie denn auch das letzte Lied, das von einem Glockenschlag durchwehte „Nachtlied“, wenige Tage vor Mendelssohns Tod komponiert wurde. Das Publikum dankte mit langem Applaus für diesen Abend.

Karl Friedrich Ulrichs

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