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Mit Fliehkraft überm Kuckucksnest

Gerburg Jahnke mit Damenshow Mit Fliehkraft überm Kuckucksnest

„Frau Jahnke hat eingeladen.“ Um genau zu sein in die Stadthalle Göttingen. Kabarettistin Gerburg Jahnke und ihre humorschaffenden Kolleginnen Daphne de Luxe, Lisa Feller, Rebecca Carrington und Anka Zink haben am Sonntag für reichlich Lacher und Begeisterung vor ausverkauftem Haus gesorgt.

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„Frau Jahnke hat eingeladen.“

Quelle: Hartwig

Göttingen. Bei allem Schabernack mit einigen Männern in der ersten Reihe – die SPD in NRW hat justament die Landtagswahl in NRW vergeigt und Gerburg Jahnke trägt gerade etwas Trauer. „Ich bin nicht so guter Dinge, ich war heute wählen. Ja, bisschen schade … Frau Kraft, also unser Hannelore, ist komplett zurückgetreten.“

Da kann die gestandene Kabarettistin, ehemalige Hälfte des legendären Missfits-Duos, Gastgeberin der populären „Ladies Night“ sowie der Live-Damenshow mit der sie gerade auf Tour unterwegs ist, natürlich nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen. Aus dem Stegreif frotzelt sich die gebürtige Oberhausenerin noch durch die Wahl in NRW, um dann den Bogen auf den Bosporus zu schlagen. „Wenn ich Ministerpräsidentin geworden wäre. Ich würde es genauso machen wie Erdogan. Demokratie so᾽n Scheiß brauchen wir nicht. Da kommste ja nicht vorwärts. Alles weg.“ Ansonsten plaudert und moderiert Jahnke so frisch und munter durch das Programm, als ob ihr alles gerade mal eben spontan in den Sinn käme. Echt klasse.

Comedienne und NDR-Comedy-Contest-Moderatorin Lisa Feller eröffnet die Riege der Gästinnen. Die Münsteranerin berichtet davon, wie sie einen schmierigen sexistischen Autoverkäufer mit seinen eigenen Waffen geschlagen hat und sorgt sich sonst nach zwei Kindern vor allem um ihre Bikinifigur. Sport machen wäre da eine Möglichkeit. Wäre. „Ich will doch nicht aussehen wie jemand, der beim Umzug helfen könnte.“

Ein ganz anderes Kaliber kommt mit Anka Zink daher, von Jahnke als die „die große alte Dame des Kabaretts“ anmoderiert. Scharfzüngig und angriffslustig spürt die Kölnerin dem Wandel in Politik und Gesellschaft nach. Politisch seien mittlerweile „dicke Eier in Mode“. Konkret: Putin in der Tradition russischer Eier „hart und kalt“, Erdogan eher Modell Kuckucksei, das er Europa ins Nest lege, und Trump („so᾽n Tuppes“) eher Modell Überraschungsei. Ansonsten erzählt Zink sehr anschaulich davon, was die Liaison von Fliehkraft und Schwerkraft auf Loipen und Skipisten so alles anrichten kann.

Der Höhepunkt des Abends schwappt mit Daphne de Luxe auf die Bühne. „Nach Sport, Bindegewebe und dicken Eiern gibt es nur noch eine Steigerung – da bin ich.“ Groß, prall, sexy, wie der Fiebertraum einer Walküre plädiert sie dafür, ungeachtet des gängigen Mager-Schönheitsideals zu seinen eigenen Schwächen zu stehen. Auf den Punkt leicht schlüpfrig mit ihren Reizen kokettierend, lässt die Entertainerin aus dem Fränkischen ihren Mutterwitz sprühen. Und mit einem lasziv-wiegenden und beeindruckend gesungenen „Sex Bomb“ im Sirtaki-Takt erobert sie das Publikum im Sturm. Was für eine Erscheinung, was für eine Präsenz.

Mit der Britin Rebecca Carrington und ihrem Cello „Joe“ geht es schließlich noch auf musikalische Weltreise. Virtuos und unterhaltsam verschmelzt die Musik-Kabarettistin, die ehedem in verschiedenen renommierten klassischen Orchestern spielte, Stile, Sprachen und Kulturen miteinander. Von Pop über Oper und Traditionell bis Bollywood. Da wird doch glatt die sing-prustende Musikerin samt gezupftem Cello zum Dudelsack. Das begeisterte Publikum bedankte sich bei dem Damen-Quintett mit nahezu tosendem Beifall.

Von Karola Hoffmann

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