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Mit Gambe und Harfe: Spuren des 16. Jahrhunderts

Ensemble Helikon Mit Gambe und Harfe: Spuren des 16. Jahrhunderts

Das „goldene“ 16. Jahrhundert bezeichnet eine große Epoche der Kulturgeschichte. Insbesondere in der weltlich orientierten Vokalmusik Spaniens öffnete sich ein breiter Fächer des historischen Zeitalters. Mit ihrem Programm „Ay amor, ay ausentica“ ließ das Ensemble „Helikon“ im Alten Rathaus stilgerecht Kompositionen der Zeit lebendig werden. 

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Helikon: Margit Schultheiß, Sopranistin Imma Einsingbach und Gambist Claas B. Harders (v.l.).

Quelle: Peter Heller

Mit sorgfältig ausgewählter spanischer Vokal- und Instrumentalmusik des 16. und 17. Jahrhundert schlugen sie einen spannenden Bogen von geistlichen Werken bis zum Liebeslied.  

Auf dem Fundament der historischen Aufführungspraxis wirkten die geistlichen Werke im ersten Programmteil besonders authentisch. Die feingliedrig angelegte Musik des 16. Jahrhunderts wurde zunächst mit sorgsam beachteten rhythmischen Details von der Harfenistin Margit Schultheiß sauber herausgearbeitet. Indem sie den fortschreitenden synkopischen Duktus der Lieder wie „Es menester que se acierte“ von Francisco Guerreros besonders hörbar hervorhob, verlieh sie dem Klangbild einen leichten und dennoch bestimmten Charakter. In „La perra mora“ rückte Guerrero emotionale Bezüge in den Mittelpunkt. Entsprechend lag das Augenmerk der Sopranistin Imma Einsingbach eher auf der textlichen Ebene: Sie interpretierte die Lieder mit Witz und Charme ohne dabei die gleichförmig schreitende Musik außer Acht zulassen. In „Soleta sò yo aci“ (Anonymus) untermalte sie erstmals das Gesungene mit minimalen Gesten und arbeitete in fragenden oder ausrufenden Passagen den Textbezug subtil stimmlich heraus.  

Im abschließenden Programmblock ertönten Kompositionen aus der Musikära des 17. Jahrhunderts. Bei der Interpretation der Werke stach nun auch die Entwicklung der Instrumentalmusik hervor. In den solistischen Rezitativen wie in „Sosieguen, descansen“ von Sebastián Durón legte Einsingbach gesteigerten Ausdruck in die Vertonung der Texte, wo von Kummer, Liebe und Sterblichkeit berichtet wird. 

Pulsierend und schwungvoll gestaltete sich vor allem das eigens für Gambe und Barockharfe arrangierte „Folias“ von Antonio Martín y Coll. Hier war Gambist Claas B. Harders gefordert. Er präsentierte das breite Klangspektrum der Gambe in vielschichtigen Appegien und neben den Akkordbrechungen schienen die Melodielinien kunstvoll verworren. 

Das „goldene“ 16. Jahrhundert hat fraglos in der Musik seine Spuren hinterlassen. Doch die alte Klangsprache begeisterte auch das Publikum, das dafür mit reichlich Applaus dankte.   Rhea Maria Richter

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