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Mit Hengst Totilas am Telefon

Giesekings „Jahresrückblick 2015“ im Apex Mit Hengst Totilas am Telefon

„Ab dafür!“ Bernd Giesekings satirischer Jahresrückblick gehört in Göttingen schon zum festen Kulturprogramm. Bereits zum 22. Mal hat der Kabarettist und Autor am Freitag im ausverkauften Apex das abgelaufene Jahr genüsslich auseinander genommen – in diesem Jahr mit neuen Texten, wie er betont.

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Bernd Gieseking

Quelle: Pförtner

Göttingen. „Es war ein besonderes Jahr. Ein Jahr, in dem es, verglichen mit anderen, sehr viel ernster zuging“, stimmt Gieseking zu Beginn des Abends ein. Einige Teile des Programms würden daher auch etwas ernster ausfallen als sonst.

 

Aber es darf auch gelacht werden, etwa bei – mitunter schrägen – Vergleichen wie diesem: „VW hat die Abgaswerte manipuliert. Ein Weltkonzern. Das ist ja, als ob die Fifa korrupt wäre.“ Touché. Überhaupt sei es bei allem immer die Frage: Sind wir die Guten oder sind wir die Bösen, meint Gieseking. Beim „Sommermärchen“, der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, gibt es ein glattes Unentschieden: „Wir waren tolle Gastgeber. Aber jetzt kommt raus: gekauft.“

 

Ein Schwerpunkt des Programms ist das Flüchtlingsthema. Der Kabarettist, Autor und Taz-Kolumnist befürwortet die Auseinandersetzung damit und er lobt die Welle an Hilfsbereitschaft. Unter anderem die Attentate von Paris hätten gezeigt, wie notwendig die Flucht aus Ländern wie Syrien ist. „Wir dürfen nicht weichen, diesem Mob, der selbst schon stolz skandiert: Wir sind das Pack.“ Klare Worte.

 

Mal mit Furor, mal kritisch und nachdenklich und vor allem verschmitzt hält der Dortmunder seinen Abgesang. Gewichtige und politische Themen treffen dabei auf Aberwitziges und die Rubrik Boulevard. Griechenlandkrise, G7-Gipfel in Elmau, Personal der Bundesregierung und der Germanwings-Flugzeugabsturz werden satirisch beleuchtet ebenso wie die Eröffnung des DFB-Museums, die Steuerschulden des finnischen Weihnachtsmannes, das neue Asterixheft Lichtgestalten wie Beckenbauer und Söder sowie Jubiläen, Comebacks und das Abschiednehmen, unter anderem von dem Schriftsteller, Übersetzer und Tausendsassa Harry Rowohlt.

 

Die Fakten, Analysen und Schlagzeilen mischt der 57-Jährige mit herrlich launigen Gedichten und fiktiven Telefonaten etwa mit Helmut Schmidt und Hengst Totilas. Dazu kommen Dialoge aus seiner Stammkneipe „Fischlounge“, ein journalismuskritisches Minidrama und Einblicke in das Privatleben der Kanzlerin, wenn es mit einem Tagebuch von Joachim Sauer „Durch das Jahr mit Mutti“ geht.

 

Die insgesamt wilde Mischung stimmt. Die mit Schmunzeln und Lachsalven quittierte Pointendichte ist hoch. Der Ostwestfale ist mit Herzblut und Spaß bei der Sache. Und Gieseking-Fans freuen sich wohl schon auf den nächsten Jahresabgesang.

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