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Mit Tiefgang und Leichtigkeit

Matthias Brodowy Göttinger Apex Mit Tiefgang und Leichtigkeit

„Ich bin Chaotiker, das heißt ein Chaot mit ideologischem Überbau.“ Dies bekennt Kabarettist Matthias Brodowy am Sonnabend im ausverkauften Göttinger Apex. Und weil in seinem Kopf das Chaos tobt, trägt sein achtes Kabarettprogramm auch sinnigerweise den Titel „Kopfsalat“.

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Matthias Brodowy

Quelle: EF

Göttingen.  „Ich hab so᾽n richtigen Schuss“, stellt Matthias Brodowy gleich klar, dass er von der Normalität abweiche. „Ich bin froh, dass ich in den 70er-Jahren Kind sein durfte.“ Heutzutage seien Kinder „Humankapital und zukünftig dringend benötigte kleine Facharbeiter und kleine Rentenzahler“.

Er selbst wäre wohl in der Schublade „hyperaktiv“ gelandet und mit Ritalin vollgepumpt worden. Aus Erfahrung plädiert der Hannoveraner fürs Stuhlkippeln, auch mit Aufprall. „Man muss auch mal hinfallen, um zu lernen, dass man wieder aufstehen kann.“

Vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Prix Pantheon, dem Deutschen Kleinkunstpreis und Altmeister Hanns Dieter Hüsch verlieh ihm einst den Kabarettpreis „Das schwarze Schaf“ – trifft der Hannoveraner genau den richtigen Ton, musikalisch wie inhaltlich. Als „Vertreter für gehobenen Blödsinn“ versteht er es, Hintersinn und Heiterkeit, Tiefgang und Leichtigkeit zu verbinden. Bei Brodowy geht es um ganz Alltägliches und Menschliches, um politisch und gesellschaftlich aktuelle Themen, auch in seinen Liedern, sanften Balladen und eingängigen Chansons, die er am Piano vorträgt.

Der 43-Jährige formuliert poetische Worte und schöne Bilder. Und er skizziert groteske Gedankengänge und findet auch deutliche Worte. Mal schwärmt er über einen schönen Sternenhimmel und besingt besinnlich-schön, wie es sein mag, in „Feuerland“ am äußersten Rand der Welt zu stehen.

Dann mokiert er sich über die morgendliche Armada von SUVs vor Deutschlands Grundschulen, kritisiert den Hang zu Billigprodukten für die andere die Rechnung zahlen und macht sich lustig über den lautstarken Egoismus einiger Reisender im ICE-Ruheabteil.

Trotz aller Kritik findet Brodowy auch immer die Balance. Statt zu meckern regt er zum Schmunzeln und Nachdenken an. Was auch nicht weiter verwundert. Schließlich hat er einst neben Deutsch und Geschichte auch katholische Theologie auf Lehramt studiert bevor er sich für die Kabarettisten-Laufbahn entschied.

Zum Ende des Abends regt Brodowy noch dazu an, mehr Blödsinn im Alltag zu machen, und Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das vergnügt lachende und schmunzelnde Publikum bedankt sich mit großem Applaus für den besinnlich-heiteren Abend, Brodowy mit zwei Zugaben.

 

Von Karola Hoffmann

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