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Mit der Achterbahn ins Unbekannte

Jennifer Haley zu Gast in Göttingen Mit der Achterbahn ins Unbekannte

Im April hatte das Stück „Netzwelt“ von Jennifer Haley am Deutschen Theater Premiere. Zur letzten Vorstellung des Stückes für diese Spielzeit war die amerikanische Autorin nach Göttingen gekommen.

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Die Autorin der "Netzwelt" Jennifer Haley.

Quelle: HW

Göttingen . Die Netzwelt, wie Haley sie in ihrem Stück kreiert, ist eine Computerwelt, in der sich selbst Gerüche und haptische Erfahrungen übertragen lassen. Mit einem Avatar können Besucher online leben und fühlen. Im Refugium können Pädophile ihren Neigungen nachgehen, ohne Konsequenzen.  Ein Schutz für die reale Welt? Oder eine Katastrophe, weil auch das Tun in einer virtuellen Welt uns verändert?

Haley hat in den vergangenen Tagen die drei Inszenierungen ihres Stücks in Frankfurt, München und in Göttingen besucht. Starke Schauspieler lobt sie an der Göttinger Aufführung. Und das Bühnenbild. Das stilisierte der virtuellen Welt in der Inszenierung des DT, das gefalle ihr. Es sei wie eine „Ballet-World“.

Die Regisseure in Deutschland nehmen sich einige Freiheiten mit dem Text, sagt Haley. Sichtweisen, die sie so nicht ihrem Text hat. Sie verstehe ein wenig Deutsch. Aber auch, wenn sie den Text an sich nicht komplett verfolgen könne, merke sie immer, wenn etwas geändert ist.

Aber inzwischen, so die Amerikanerin, habe sie sich an diese anderen Sichtweisen gewöhnt. Und staune eher, was ihr Stück alles an Interpretationen zulasse. Und sie würde „Netzwelt“ so gern einmal mit den Augen eines Zuschauers sehen, der den Text nicht kennt. Sich auf diese Achterbahn in etwas Unbekanntes begeben.

Viel diskutiert wird überall die Rolle des kleinen Mädchens, das im Refugium für die Pädophilen da ist. In Göttingen spielen vier verschiedenen Mädchen im Alter von 14-22 Jahre diese Rolle. Das sexuelle wird eher angedeutet. In Frankfurt, so Haley, sei es ihr zu  deutlich gewesen. Gut aber sei, dass alle Regisseure in Deutschland kein Kind auf der Bühne wollten. In London spiele ein elf Jahre altes Mädchen, in Houston ein neunjähriges.

Ihr sei mit der Zeit klar geworden, dass das Alter der Mädchen auf der Bühne das Stück beeinflusse, so Haley. Das stört sie genauso wie die Debatte um die sexuelle Orientierung anderer Figuren.

Netzwelt von Jennifer Haley wird in der nächsten DT-Spielzeit wieder aufgenommen.

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