Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Mit hintersinniger Melancholie

Musikkabarett: Johannes Kirchberg im Göttinger Apex Mit hintersinniger Melancholie

Klavierkabarettist Johannes Kirchberg hat am Sonnabend sein Programm „Wie früher. Nur besser.“ im Apex in Göttingen vorgestellt. Sein Credo für den Abend mit Musik: „Schwierige Botschaften in schöne Melodien verpackt – und schon geht alles leichter.“

Voriger Artikel
Kraft jenseits der Klänge
Nächster Artikel
Keine Scheu vor plakativen Mitteln

Klavierkabarettist Johannes Kirchberg hat am Sonnabend sein Programm „Wie früher. Nur besser.“ im Apex in Göttingen vorgestellt

Quelle: AIB

Göttingen. Kirchberg macht unpolitisch korrektes Kabarett. Aber geht das überhaupt? Unpolitisch korrekt? „Es muss gehen“, sagt er. „Wenn man völlig unkorrekt und unpolitisch sogar Präsident werden kann, dann muss das gehen“, setzt er einen Seitenhieb auf das aktuelle Wahlergebnis in den USA. Was man daraus lernen kann? „Dass Unmögliches doch möglich ist und dass Unvorstellbares auch eintreten kann.“ Dies sollte die Lehre für das kommende Jahr sein, wenn in Deutschland gewählt wird.

Mit sicherem Gespür findet der 43-Jährige die kleinen Krisen im Alltagsleben. Mit hintersinnigem Humor, seinen eigenen Liedern, Chansons und Texten bringt er sie charmant unter die Leute. „Wo sind wir hingekommen? Und wollten wir hier auch her?“, fragt er sich singend am Klavier. Und in einem anderen Lied: „Ist das Glas halb voll oder halb leer? Es ist, wie du es sagst. Wenn du sagst: es ist schön, ist es schön.“

Der in Leipzig geborene Wahl-Hamburger balanciert zwischen den Polen. Seinen Gedanken, Beobachtungen und Weisheiten wohnen Melancholie, Tiefgang und ein Augenzwinkern gleichermaßen inne. Mit schwarzem Humor macht sich der studierte Musiker mit eigenem Musiklabel über Werbung lustig („Tod ist geil“). Ein Liebeslied fügt er aus Redewendungen zusammen. Und mit verzweifeltem Trotz beschwert sich sein Bühnen-Alter-Ego über sein „Bild im Internet“. „Das bin doch nicht ich. Da muss man doch was machen.“ Die Lösung lautet daher: „mehr Überwachung als Chance“. Denn: „Seit ich überwacht werde, gebe ich mir mehr Mühe.“

Zwischen Klavier und Sprechpassagen wechselnd haucht der Kabarettist und Schauspieler seinen Geschichten szenisch Leben ein. Er versteht es zu erzählen, und er ist ein richtig guter Musiker und Komponist. Mit seinen abwechslungsreich arrangierten Liedern auf musikalisch hohem Niveau fordert er zum genauen Zuhören auf. Und mitunter erinnert Kirchberg, der unter anderem auch mit Programmen zu Tucholsky, Borchert und Kästner unterwegs ist, mit seinen Liedern, Chansons und Couplets an Klavierhumoristen und Schlager der 20er- und 30er-Jahre. Kirchberg unterhält fein nuanciert von absurd, frech und besinnlich bis lyrisch, romantisch, feinsinnig und heiter. Die Zuschauer ließen den Musikkabarettisten, der zum ersten Mal im Apex zu Gast war, erst nach drei Zugaben von der Bühne.

Von Karola Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff