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Mitreißendes Sommerkonzert

Akademische Orchestervereinigung Göttingen Mitreißendes Sommerkonzert

Ein musikalisches Feuerwerk hat die Akademische Orchestervereinigung (AOV) am Wochenende gezündet. Der erste Kracher war die Suite aus der Filmmusik zu „La Strada“ von Nino Rota, gefolgt von Friedrich Guldas unkonventionell-frechem Cellokonzert und der mitreißenden Neunten von Schostakowitsch.

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Mächtig viel Blech, knallende Schlagzeugakzente und satten Streichersound verlangt Rota in seiner süffigen Partitur zu dem Fellini-Film von 1954.

Quelle: Heller

Göttingen . Mächtig viel Blech, knallende Schlagzeugakzente und satten Streichersound verlangt Rota in seiner süffigen Partitur zu dem Fellini-Film von 1954. Dirigent Niklas Hoffmann hatte die AOV-Musiker bestens darauf vorbereitet – auf die zündenden Rhythmen ebenso wie auf die gefühlsseligen lyrischen Partien samt wunderschönem Violinsolo (Katharina Diepold).

Rota hat sich in seiner Musik nicht darum geschert, was in der musikalischen Avantgarde seiner Zeit angesagt war. In dieser Beziehung ist der Wiener Pianist und Komponist Friedrich Gulda ein Geistesverwandter. Im 1980 entstandenen Cellokonzert mixt Gulda unbekümmert alpenländische Gemütlichkeit mit Jazz-Rock-Klängen und fordert dabei vom Solisten eine geradezu halsbrecherische Virtuosität. Der Solopart war bei dem Ex-Göttinger David Drost – heute Cellist beim Konzerthausorchester Berlin – in allerbesten Händen. Er spielte enorm vital, zupackend, war im betörenden lyrischen Aussingen wie im perkussiven Jazz-Rock-Stil gleichermaßen zu Hause. Die um die meisten Streicher reduzierte AOV war ihm unter Hoffmanns temperamentvoller Leitung ein brillanter Partner. Die Zugabe: das Allegretto aus der Partita für Solo-Cello des türkischen Komponisten Ahmed Adnan Saygun.

Den Schlusspunkt setzte Schostakowitschs neunte Symphonie, die zwischen Heiterkeit, Intimität, Groteske und Tönen tiefster Trauer changiert. Auch in den kompliziertesten Passagen waren die Musiker mit großer Präzision bei der Sache, sie spielten mit einer anrührenden Intensität des Ausdrucks, für die als Beispiel das zu Herzen gehende Fagottsolo von Rahel Pretzsch erwähnt sei. Am Ende gab es stürmischen Jubel in der Uni-Aula, dazu Ovationen der AOV-Musiker für ihren Dirigenten, der mit diesem Konzert eine ganz besondere Qualitätsmarke gesetzt hat. Als Dank für den tosenden Applaus gab es noch einmal einen Satz aus der Rota-Suite.

Ein zweites Mal ist das Konzert am Sonntag, 27. Juni, um 20 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1, zu hören.

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