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Mongolische Sängerin Urna Chahar Tugchi in Göttingen

Melodien wie fließendes Wasser Mongolische Sängerin Urna Chahar Tugchi in Göttingen

Ohne jegliche Begleitung betritt die zierliche Künstlerin die Bühne im Alten Rathaus. Nach einer kurzen Konzentrationsphase setzt ganz leise ihre Stimme ein und nimmt sofort den ganzen Raum ein. Mit Urna Chahar Tugchi hat in der Reihe „Kulturlichter“ nach der Band Sedaa innerhalb von einer Woche eine weitere Künstlerin in Göttingen Einblick in die mongolische Kultur gegeben.

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Mit starker Stimme und großer Gestes; Urna Chahar Tugchi in Göttingen.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Geboren in einer Hirtenfamilie im Südwesten der inneren Mongolei, lernte Chahar Tugchi früh hunderte von Liedern ihrer Heimat durch ihre Familie kennen.

Zehn Jahre lebte sie später in Deutschland, um dann nach einer kurzen Unterbrechung zurückzukehren. Heute wohnt sie in Berlin und ist seit 1992  als Sängerin auf Bühnen in der ganzen Welt unterwegs. Gerade ist sie von einer vierwöchigen Asientour zurückgekehrt.

In fließendem Deutsch führt sie charmant ihre Stücke ein. Dabei nimmt sie mit ihrer freundlichen, lockeren Art das Publikum an die Hand und bezeichnet es an diesem Abend als „ihre kleine Familie“. Sie singt ein Lied über Eltern, „die in ihrer Heimat häufig besungen werden“. „Melodien seien wie fließendes Wasser“ äußert sie.

In der Steppe viel gesungen

Spontan lässt Chahar Tugchi ein Lied für das Publikum und mit ihm entstehen. Dieses erfährt im Laufe ihres Auftritts viel über Brauchtum und Leben in ihrer mongolischen Heimat im Grassland des Ordos.

Sie sei nach der Arbeit mit ihren Eltern in der Steppe oft erschöpft, aber nicht schlecht gelaunt gewesen, gemeinsam  hätten dann viel gesungen. Pferde spielen eine wichtige Rolle in ihrer Kultur. Mit drei Jahren schon saß sie auf dem Pferd. Sie liebt diese Tiere, die sehr schlau seien und in der Steppe auch ohne Führung den Weg nach Hause fänden.

Ihre Lieder entstehen oft aus einem Gefühl heraus, entwickeln sich spontan und leben durch ihre Stimme. Sie handeln von der Natur, den Menschen oder der Liebe. „Hödöö“, „auf dem Land“ hat sie mit dreizehn Jahren komponiert. Chahar Tugchi improvisiert mit ihrer Stimme, die sich mühelos über vier Oktaven bewegt. Mal wirkt sie ganz zart und warm um dann ganz plötzlich zu mitreißender Lautstärke anzuschwellen.

Göttingen letzte Station

Dabei zeigt ihre ständig wechselnde intensive Mimik wie sie ihre Lieder lebt und fühlt. Kurzzeitigen technischen Problemen begegnet sie mit einem Lächeln. Mit großer Zustimmung des Publikums setzt sie das Konzert unverstärkt fort. Dies führt zu einem noch intensiveren, natürlicheren Erleben ihres faszinierenden Gesangs.

Das größte Geschenk, das sie von ihren Eltern bekommen habe, sei die Gabe zu teilen, erzählt sie. Und so teilt sie zum Ende ihres Konzertes ein Lied mit dem Publikum. Dies wird dabei zu einem stimmigen, beeindruckenden Chor. Unter langanhaltendem Applaus verabschiedet Chahar Tugchi ihr begeistertes Publikum in die kalte Nacht. Göttingen war die letzte Station ihrer langen Konzertreise in diesem Jahr.

Von Jörg Linnhoff

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