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Monteverdis Marienvesper vom Collegium Vocale in der Weender Petri-Kirche

Marienlob in unerwartetem Raum Monteverdis Marienvesper vom Collegium Vocale in der Weender Petri-Kirche

Die „Vespero della Beata Vergine“ von Claudio Monteverdi ist am Sonntag in der Weender Petri-Kirche erklungen. Unter Leitung von Antonius Adamske gab das Collegium Vocale St. Petri die Marienvesper in dem voll besetzen Kirchenschiff – als evangelische Kirche ein nicht selbstverständlicher Raum für das Marienlob.

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Reizvolle Musik durch reduzierte Besetzung: das Collegium Vocale in der Petri-Kirche.

Quelle: Heller

Weende. Monteverdis 1610 entstandene Marienvesper war an diesem Abend entsprechend der historischen Aufführungspraxis in Form solistischen Ensemblegesangs zu hören und nicht wie sonst oft geläufig in einer Fassung für Chor und Orchester. Die in St. Petri zu hörende Fassung beinhaltete zudem anstelle der Concerti die zu den jeweiligen Psalmen gehörigen gregorianischen Antiphonen. Diese reduzierte Form der gesanglichen Präsentation trug wesentlich dazu bei, die Klarheit und Schönheit der Komposition und Präsentation wahrzunehmen, forderte jedoch umso mehr besondere gesangliche Leistungen. Die Mitglieder des 2013 gegründeten Collegiums Vocale St. Petri meisterten die Anforderungen auf hohem Niveau und zeigten sich sehr gut aufeinander eingespielt.

Musikalisch begleitet wurde das Gesangsensemble von Laura Frey (Gambe), Andreas Düker (Laute) und Christof Pannes (Orgel) als Basso continuo-Formation. Gemeinsam schafften Sänger und Instrumentalisten ein Klanggefüge, das Kraft und Leichtigkeit der Vesper gleichermaßen abbildete und das Publikum begeisterte.

Neben jugendlichem Schwung bewies Dirigent Adamske (Jahrgang 1992) bei der Leitung des Abends Souveränität und ein feines Händchen für Struktur und Zeitgefühl – und natürlich das fachliche Wissen rund um die historische Aufführungspraxis von barocker und Renaissance-Musik. Etwas weniger glückliche Hand dagegen zeigte Timm Siering, der zeitgenössische Texte zum Thema Maria zwischen die verschiedenen Abschnitte der Vesper einstreute. Diese blieben überwiegend zusammenhanglos für sich stehen und verpassten die Chance, die sehr katholisch geprägte Marienverehrung, welche sich in Monteverdis Werk spiegelt, im evangelischen Kirchenraum in einen zukunftsweisenden ökumenischen Kontext zu stellen.

Von Isabel Trzeciok

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