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Mosebach im Alten Rathaus

Martin Mosebach im Alten Rathaus Mosebach im Alten Rathaus

Einen „Gotteskrieger im Tweed“ hat Sibylle Berg einmal den Schriftsteller Martin Mosebach genannt. Er stellte am Mittwoch im Alten Rathaus seinen jüngsten Roman „Mogador“ vor. Dass dabei etliche Plätze leer geblieben waren, konnte die dichte Atmosphäre des Abends nicht stören.

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Martin Mosebach.

Quelle: dpa

Göttingen. Zunächst porträtierte NDR-Literaturredakteur Alexander Solloch den Autor und konfrontierte ihn mit dem bisweilen geäußerten Vorwurf, er sei ein „Schönschreiber.“ Darum gehe es ihm nicht, so Mosebach: Er benutze eine „eigenschaftslose Sprache“, sie sei sein Instrument, um Bilder und Farben zu erzeugen, die der Leser nachvollziehen könne.

Das Buch:

Martin Mosebach: „Mogador“, Rowohlt Verlag 2016, 368 Seiten, 22,95 Euro.

Martin Mosebach: Das Leben ist kurz. Zwölf Bagatellen, Rowohlt Verlag 2016, 156 Seiten, 16,95 Euro.

Das führte er an zwei längeren Passagen aus „Mogador“ eindrucksvoll vor. Mogador: das ist der alte, aus der Berbersprache entlehnte portugiesische Name der marokkanischen Hafenstadt Essaouira. Dorthin geflohen ist Patrick Elff, ein junger Düsseldorfer Banker, der bei einer Betrügerei mitgemischt hat. Zuflucht findet er ausgerechnet im Hause der Hure, Kupplerin, Geldverleiherin, Zauberin und Prophetin Khadija.

Elff taucht ein in eine ganz andere Welt. Und diese andere Welt schildert Mosebach mit einer ausschweifenden Detailfreudigkeit, einer Attributitis, bei der man bisweilen Thomas Mann um die Ecke lugen sieht. Doch ob man will oder nicht: Man ergötzt sich an dieser unstillbaren Lust am Erzählen, zumal Mosebach mit seiner scharfen Beobachtungsgabe die Figuren und ihre Verhältnisse zueinander psychologisch ausgesprochen präzise zeichnet. Die Zugabe: „Die Idee“, ein virtuos bissiges Feuilleton aus den zwölf „Bagatellen“, die zuvor in Zeitungen und Zeitschriften erschienen waren. Ein pures Sprachvergnügen.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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