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Multiinstrumentalist Yann Tiersen im Kulturzelt in Kassel

Nicht ganz so fabelhaft Multiinstrumentalist Yann Tiersen im Kulturzelt in Kassel

Der französische Komponist und Multiinstrumentalist Yann Tiersen hat die Musik zu dem Film „Die wunderbare Welt der Amélie“ geschrieben, das machte ihn berühmt. Im Kulturzelt an der Drahtbrücke war er am Mittwochabend mit Band zu Gast – ein seltsamer Abend, der am Ende auch einigen Unmut verursachte.

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Der französische Komponist und Multiinstrumentalist Yann Tiersen hat die Musik zu dem Film „Die wunderbare Welt der Amélie“ geschrieben, das machte ihn berühmt.

Quelle: EF

Kassel. Die Frau strahlt. Am Eingang zum Kulturzelt hängt ein rotes Schild, „Ausverkauft“ steht darauf geschrieben. Doch sie hat noch eine Karte zu dem Konzert von Tiersen ergattert.

Ob sie am Ende noch so glücklich war, sei dahingestellt. Tiersen spielt in der Liga derer, die um den Titel des besten Minimalkomponisten streiten. Und das ist nicht despektierlich gemeint. Es geht darum, mit möglichst wenig kompositorischem Aufwand ein größtmögliches Ausdrucksspektrum zu erreichen. Bei Tiersen bekommt das dann noch einen französischen Einschlag.

Nouvelle Chanson klebt als Etikett manchmal auf seiner Musik, doch der Gesang spielt bei ihm tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle.

In einem Interview hat Tiersen einmal geäußert, er sei fasziniert von Klängen, und er möge Gegenständen, mit denen sie sich erzeugen ließen. Das wir auch im Kulturzelt deutlich.

Kleine Glöckchen hat er dabei, für sich eine Gitarre, ein E-Piano, eine Melodica und viel Elektronik, an deren Knöpfen er immer wieder schraubt. Auf diese Weise erzeugte schrille Töne mischt er mit dem, was klassisches Instrumentarium erzeugen kann.

Der französische Komponist und Multiinstrumentalist Yann Tiersen hat die Musik zu dem Film „Die wunderbare Welt der Amélie“ geschrieben, das machte ihn berühmt. © EF

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Dabei zeigt sich Tiersen sehr versunken , sehr konzentriert, sehr hermetisch abgeschlossen. Zwei- oder  dreimal sagt er „Danke“, aber nur ganz leise. Das muss reichen an Kommunikation mit dem Publikum – und mit seinen Bandkollegen. Tiersen gilt als Einzelgänger. Als Multiinstrumentalist spielt er seine Alben gerne alleine ein. Für Konzerte holt er sich dann Verstärkung.

Reden muss er deswegen allerdings offenbar nicht mit den Kollegen. Schweigend gehen sie umeinander herum, wechseln die Orte und die Instrumente. Zusammen erzeugen sie Klangteppiche, die häufig nach der Musik zum Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ klingt, sphärisch, französisch, nach Chanson und Elektronik.

Das Publikum lauscht dem Spektakel andächtig. Allenfalls Köpfe bewegen sich im Rhythmus hin und her, eine Besucherin tanzt selbstvergessen ganz am Rand. Und plötzlich ist nach kleinen Zugaben das Konzert schon beendet. Im Rausgehen bemängelt eine Besucherin, es grenze an Unverschämtheit, dass Tiersen seine Musiker nicht vorstelle.

Und ein anderer sagt, dieses Filmische, dieses Theatralische sei nichts für ihn. Es kommt nicht so oft vor, dass das Kulturzelt-Publikum so kritisch reagiert.

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