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Multimillionär Andrew Hall will Kunstsammlung auf Schloss Derneburg präsentieren

Auf ins Schloss! Multimillionär Andrew Hall will Kunstsammlung auf Schloss Derneburg präsentieren

Ein neues Ausstellungshaus wird die niedersächsische Kulturlandschaft bereichern. Im kommenden Jahr soll es eröffnet werden. Es wird ein gigantisches und großartiges Museum sein mit einer herausragenden Sammlung zeitgenössischer Kunst.

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Schloss Derneburg heute: Die Renovierungsarbeiten sind so gut wie abgeschlossen.

Quelle: Meyer-Arlt

Derneburg. Werke von Georg Baselitz und Jörg Immendorff, von Joseph Beuys, Julian Schnabel, Anselm Kiefer, Jenny Holzer, Mona Hatoum, Sol LeWitt, Hermann Nitsch, Andy Warhol, Keith Sonnier, Jeppe Hein, Richard Long, Franz West, Luc Boltanski, Olafur Eliasson, Jonathan Meese und vielen, vielen anderen wichtigen Künstlern werden hier zu sehen sein. Und es wird großartig.

Gedränge wird es nicht geben in diesem neuen Museum. Keine Einweihungsfeier mit Kulturdezernenten und Ministern. Keine Schlangen vor den Kassen. Keine Malkurse für Kinder. Keine Diskussionen um Auslastungszahlen. Denn es ist kein öffentliches Museum. Besucher dürfen nur nach vorheriger Anmeldung die Räume betreten. Sie werden in Gruppen durch die Säle geführt.

Das Museum ist ein Schloss. Es gehört dem US-amerikanischen Multimillionär und Kunstsammler Andrew Hall, der seinen Reichtum vor allem als Rohstoffhändler und Fondsbetreiber erwirtschaftet hat. 2005 kaufte er die Kunstsammlung von Georg Baselitz. Dann erfuhr, dass der auch Schloss Derneburg verkaufen wollte, wo der Maler seit 1975 wohnte. Und kaufte Hall dann auch. Das schien ihm praktisch zu sein, schließlich braucht er Platz für seine Kunstsammlung.

Deutlich mehr als 5000 Werke umfasst die Kunstsammlung von Andrew und Christine Hall, darunter auch viele Großformate und Skulpturen. Einige Werke der Sammlung werden demnächst in den Räumen von Schloss Derneburg für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Man wird sie besichtigen können, nach Anmeldung und in Gruppen von nicht mehr als 15 Besuchern. Am Anfang wahrscheinlich nur sonnabends. Die Sache ist noch im Planungsstadium. Man wird ausprobieren, wie es läuft. Jede Kunstbesichtigung wird gleichzeitig auch eine Schlossbesichtigung sein.

Noch sind die meisten Wände in den vielen, vielen Räumen des Schlosses weiß und kahl, auf dem Boden liegen Fotokopien der Werke, die gezeigt werden sollen. Andrew Hall überlegt noch, wo welche Werke am besten zur Geltung kommen. Manche sagen, er sei in dieser Angelegenheit ziemlich pingelig. Hall hat ein „Advisory Board“ eingerichtet. Ausstellungsexperten wie Kasper König, Eske Nannen, Max Hollein und Stephan Berg beraten ihn.

Fast zehn Jahre hat die Renovierung von Schloss Derneburg gedauert, nun ist sie weitgehend abgeschlossen. Vieles wurde umgebaut. Hänsel will den genauen Betrag, den die Renovierung gekostet hat, nicht nennen. Nur so viel: „Es handelt sich um einen zweistelligen Millionenbetrag.“
Manche Überraschungen gab es bei den Sanierungsarbeiten. Als der klamme Kreuzgang trockengelegt werden sollte, wurden die Bodenplatten angehoben. Unter dem Kreuzgang kamen Gräber zum Vorschein. Baustopp! Archäologen rückten zur Rettungsgrabung an. Die Gräber wurden dokumentiert. Dann erst konnte es weitergehen.

Einige Ausstellungsorte sind schon fertig. Wie etwa die Räume im großen Kubus mitten im Schlosspark. Hier befand sich das Atelier, das sich Baselitz in den Neunzigerjahren bauen ließ. Jetzt hängen hier auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche großformatige Werke aus der Serie „Melancholia“ von Julian Schnabel: riesige archaische Zeichen auf dunklen Militär-Planen. In der unteren Etage, die ebenfalls 300 Quadratmeter umfasst, sind strenge, geometrische Arbeiten von Barry Le Va zu sehen. Das ehemalige Atelier ist ein fertig eingerichtetes Ausstellungshaus. Und es ist eine merkwürdige, auch melancholisch stimmende Vorstellung, dass hier meist völlige Dunkelheit herrscht und nur selten mal jemand vorbeischaut.

Aber das soll sich demnächst ändern. Dann werden Besuchergruppen Kunst im ehemaligen Atelier und im Schloss besichtigen können. Etwa vier Stunden wird eine Führung wohl dauern, schätzt Eva-Sabine Hänsel. Bei einer Pause in der Schlossküche wird man sich bei einem kleinen Imbiss stärken können. In stilvollem Ambiente: Die Wände der Küche hat Baselitz mit Zeichnungen versehen.

Der Schlossmanagerin ist es wichtig, dass Kunstinteressierte kommen. Die sollen sich die Hall-Sammlung anschauen. Anderes findet sie nicht so gut: „Was wir nicht wollen, sind heimatkundliche Schlossführungen.“

Von Ronald Meyer-Arlt

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