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Musik aus Morgenland und Abendland im GSO-Konzert „Begegnungen“

Von Algier ins Schottische Musik aus Morgenland und Abendland im GSO-Konzert „Begegnungen“

Einen west-östlichen Diwan hatte das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) am Freitag in der gut gefüllten Stadthalle eingerichtet: ein Konzert, in dem sich abendländische und orientalische Musikkultur begegneten. Gastdirigent war der aus Ägypten stammende Hisham Gabr.

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Gastdirigent und Komponist des Konzerts: Hisham Gabr mit Konzertmeisterin Stephanie Lichtmeß.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Der Musiker war zugleich der Komponist des zentralen Werks an diesem Abend, einer Sinfonia concertante mit zwei Soloinstrumenten, der orientalischen Oud – einer Kurzhalslaute mit mehr als tausendjähriger Tradition – und der europäischen Gitarre.

Gabr ist mit der abendländischen Musik sehr vertraut, das merkt man seinem Werk deutlich an. In vielen Passagen klingt es wie Filmmusik, der Schlusssatz ist ein schwungvoller Walzer. Selbstverständlich hat diese Musik aber nicht minder deutlich orientalische Züge, vor allem in der Melodiebildung – eine Kombination, die im Finale ein wenig so klingt, als stünde das Hofbräuhaus in Kairo. Die stärksten Momente hat die Sinfonia dort, wo sich das orientalische Melos ohne westlichen Akkord-Untergrund entfalten kann, vor allem in der ausgedehnten Kadenz der Oud im zweiten Satz. Gabr versteht es, wirkungsvolle Steigerungen aufzubauen – manchmal verlieren sie allerdings an Spannung, denn hier und da besitzt das Werk einige Längen.

Die ost-westliche Begegnung trat im Dialog der beiden Solisten am einleuchtendsten hervor. Der aus Kairo stammende Oud-Virtuose Nehad El-Sayed hinterließ mit seinem stellenweise bewegend meditativen, spannungsreichen Spiel einen besonders tiefen Eindruck. Und der Göttinger Gitarrist Andreas Düker – der auch vielfach als Lautenist hervorgetreten ist – war ihm ein ebenbürtiger Partner, der ebenso wie El-Sayed über eine Vielzahl von Klangfarben in seinem Spiel verfügt.

Das Publikum war ausgesprochen angetan von dieser ägyptisch-deutschen Begegnung und belohnte diese deutsche Erstaufführung mit herzlichem Beifall. Umrahmt wurde die Novität von zwei Werken aus dem klassisch-romantischen Bereich: Rossinis Ouvertüre zur Oper „Die Italienierin in Algier“ und Mendelssohns dritter Symphonie, der „Schottischen“. Auch hier zeigte sich Dirigent Gabr vertraut mit dem abendländischen Repertoire. Allerdings hätte die prächtige Rossini-Ouvertüre etwas mehr dirigentisches Temperament vertragen, und Mendelssohns Symphonie könnte vor allem im langsamen Satz eine deutlichere Zielführung vertragen – wenn man das Tempo all zu starr hält, droht die musikalische Entwicklung stehenzubleiben. Die GSO-Musiker folgten ihrem Pultgast mit großer Konzentration und boten etliche solistische Glanzleistungen, von denen vor allem die Holzbläser erwähnt seien.

„Con Passione“ ist das Motto des GSO-Sonderkonzerts am Gründonnerstag, 2. April, um 19.45 Uhr in der Stadthalle. Unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller sind Werke von Busoni, Mozart und Pettersson zu hören.

Von Michael Schäfer

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