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Musik und Gedichte - das Schönste für Göttingen

Oliver-Steller-Quintett Musik und Gedichte - das Schönste für Göttingen

Seit 20 Jahren rezitiert und vertont Oliver Steller bereits Gedichte deutscher Lyriker. Im Alten Rathaus in Göttingen vereinte er am Freitagabend in seinem Prgramm „Das Schönste aus 20 Jahren“ noch einmal seine liebsten Gedichte.

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Quelle: Heller

Göttingen. Musikalische Unterstützung erhält Steller von Kontrabassist Dietmar Fuhr und Keyboarder Hendrik Soll, Saxofonist Bernd Winterschladen und Holger Mertin am Schlagwerk, Steller selbst spielt Gitarre. Dass Steller bereits zahlreiche Programme für Kinder erstellt hat, spiegelt sich auch deutlich an diesem Abend wider. Zwar finden sich auch Klassiker wie Johann Wolfgang von Goethes „Erlkönig“ oder Heinrich Heines „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“ im Jubiläumsprogramm, doch überwiegt letztlich der Anteil an humorvollen Gedichten. Hier liegt Stellers Stärke. Durch deren eigenwillige Darbietung stechen gerade Peter Maiwalds „Die Spinne Martha“ und Paul Pfeffers „Mädchen-Gebetchen“ heraus, die der Rezitator als schmissige Popsongs mit hartem Rhythmus arrangiert hat und so zum Mitsingen einlädt. Ist Christian Morgensterns Gedicht „Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst“ an sich schon überaus komisch, so hebt Steller mit piepsiger Stimme und Gestik die Absurdität des Gedichtes deutlich hervor.

 

Bei den traditionelleren Gedichten setzt das Quintett vornehmlich auf ruhiges Rezitieren mit gleichmäßiger, unaufgeregter Hintergrundmusik und Instrumentalsoli als kleine Spezialeffekte. Technisch beherrschen sie alle ihre Instrumente einwandfrei und auch das Zusammenspiel ist gut aufeinander abgestimmt. Doch schmeicheln die Arrangements nicht immer den Gedichten selbst. So unterlegen sie etwa Rainer Maria Rilkes „der Panther“ mit fetziger Jazz-Musik, wodurch die an sich trostlose Grundstimmung des Textes kaum noch zur Geltung kommt. Sparsam eingesetzte Klangeffekte stützen die Dichtungen diesen Abend weitaus besser. Mertin erzeugt nur mit seinem Waterphone, einem Instrument mit kreisförmig angeordneten Metallstäben unterschiedlicher Länge, die er hier mit einem Bogen streicht, zum „Erlkönig“ eine absolut gelungene mystische Hintergrundstimmung.

 

Charmant und mit kleineren Anekdoten führt Steller durch den Abend. Die letzten 20 Jahre Bühnenerfahrung haben ihm eine sichere Ausstrahlung verliehen und die Fähigkeit, seine Freude an Gedichten mit allen Generationen zu teilen und sein Publikum zum Schmunzeln zu bringen.

Von Tina Evers

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