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Musikalischer Bilderbogen aus Südtirol

„Kastelruther Spatzen“ Musikalischer Bilderbogen aus Südtirol

Mit den Kastelruther Spatzen aus Südtirol waren die wohl erfolgreichsten Volksmusiker in Deutschland am Dienstag, 31. März, in Göttingen zu Gast. Rund 2500 Besucher kamen in die Lokhalle um ihre musikalischen Lieblinge auf der „25-Jahre-Jubiläumstour“ live zu erleben.

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Feuersäulen vor Bergkulisse: spektakulärer Auftritt der Kastelruther Spatzen in der Lokhalle. 

Quelle: Heller

Zahlreiche Fans dokumentieren ihre Zuneigung zu den „Spatzen“, denen bereits Papst Benedikt XVI. offiziell zu ihrem Jubiläum gratulierte, schon im Outfit: Unzählige Buttons zeugen von Dutzenden erlebter Konzerte, einige Eichsfelder tragen Trachtenhut mit Gamsbart und die Fanclubs unterscheiden sich von ihren Vorbildern nur durch die Namen ihrer Vereine, rückwärtig auf die Weste gestickt. Zum gewaltigen Intro aus „Krieg der Sterne“ zoomt die „Satelliten-Kamera“ aus dem All auf Kastelruth in Südtirol, Heimat der Gründungsmitglieder. Flammensäulen steigen auf, und eine Stimme aus dem Off zählt countdownartig schnell die wichtigsten Eckdaten auf (15 Millionen verkaufter Tonträger, 33 Alben mit Platin- und Goldstatus und so weiter) – als wenn das hier niemand wüsste. Dann stehen die Männer um Sänger Norbert Rier zünftig gekleidet auf der Bühne und tun das, was sie am besten können: spielen und singen.

Viel mehr tun sie auch den ganzen Abend nicht, und mehr braucht es auch nicht, die Fans zu erfreuen, die sich zu Beginn noch ein wenig reserviert zeigen. Eine Stimmungskanone ist Sänger Rier allerdings auch nicht. Die „Spatzen“ machen außer einigen Erklärungen und Videoeinspielungen nicht viele Worte und geben den Besuchern das, was diese erwarten: ein musikalisches Best-of ihrer ein Vierteljahrhundert währenden Karriere. Vor der Kulisse von Lang- und Plattkofel, ihren Hausbergen in der Heimat, besingen sie „Das Mädchen mit den erloschenen Augen“ (den ersten Hit aus dem Jahr 1984), den „Duft der Dolomiten“ und auch das „Atlantis der Berge“. Das ist die tragische Geschichte des Dorfes Graun, das 1948 in den Fluten eines künstlichen Stausees versinken musste und von dem nur noch der Kirchturm aus dem Wasser ragt.

Rier, dessen Stimme in den Höhen angestrengt klingt, wirkt bei den Ansagen ein wenig erschöpft und abgespannt, was bei dem umfangreichen Tourprogramm nicht weiter verwundert, aber nur die ganz eingefleischten Fans bemerken. Was alle mitbekommen, keinen stört und wohl auch das Erfolgsgeheimnis der sieben Musiker ist: Die Arrangements und Melodiebögen der Titel sind sich alle recht ähnlich. Dezentes, wohldosiertes Schlagzeug neben blubberndem Bass und harmloser Begleitgitarre.

Kräftige Begleitung

Dominanter melodiöser Gesang und kräftige zweistimmige Trompeten- und Saxofonbegleitung von Walter Mauroner und Valentin Silbernagl den neben Rier musikalischen Stars der Band, die dann auch mal ein Solo spielen dürfen. Abgerundet von einem locker-leichten Keyboardteppich von dem Mann, der unzählige Hits der Spatzen geschrieben hat: Albin Gross. Ihn ehrt die Band mit einem eigenen Medley. Ob allerdings bei der Vielzahl an Hits ein Carpendale-Cover sein muss, fragt sich manch einer. Für „Geh’ doch“ wünscht man sich den echten „Isch-freue-misch“-Howie in die Halle.

Die Kapelle spielt nun „Wir sind alle eine große Familie“ und schon kommt auch das Göttinger Publikum in Wallung. Begeisterungspfiffe gellen, Szenenapplaus. Zwischendurch ein Gruß- und Werbeblock („Wir gratulieren Volker und Susanne aus Fuldatal zu ihrem 100. Spatzenkonzert“). Dann, bei „Eine weiße Rose“, ist die Sitzordnung plötzlich aufgehoben. Die Besucher stürzen nach vorne, überhäufen die Südtiroler mit Blumen, Geschenken und fotografieren was der Chip hergibt. Alsbald sitzt niemand mehr auf seinem Stuhl und zu idyllischen Bildern des Südtiroler Tourismusvereins schunkelt die Lokhalle beschwingt in den 1. April.

                                                                                                                  Von Christoph Mischke

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