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Musikalisches Breitwandgemälde

Promenadenkonzert Musikalisches Breitwandgemälde

Die Allgäuer sind stolz auf ihre Breitachklamm. Das zweieinhalb Kilometer lange, bis zu 150 Meter tief in den Fels eingeschnittene, schmale Tal lockt alljährlich 300 000 Besucher an. In den USA sehen die Dimensionen anders aus.

Der Grand Canyon im Norden von Arizona ist rund 400 Kilometer lang und bis zu 1800 Meter tief eingeschnitten. Der Colorado River hatte wohl mehr Zeit und Kraft als die kleine Breitach im alten Europa.

Kennt man diese Dimensionen, versteht man die musikalische Sprache des amerikanischen Komponisten Ferde Grofé leichter, der in seiner „Grand Canyon Suite“ ein pompöses musikalisches Breitwandgemälde in knalligen Farben entwirft. Diese Suite gehörte zu dem spannenden Programm des Promenadenkonzerts mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO), zu dem am Freitag gut 1000 Zuhörer in die nahezu ausverkaufte Göttinger Stadthalle gekommen waren.
Grofés Musik ist farbenreich, illustrativ und eingängig. Der Hörer sieht förmlich den Auf- und Untergang der Sonne vor sich, den Grofé weit ausholend beschreibt, die Landschaft der „gemalten Wüste“ (Painted Desert), den Trail nach Westen mit naturalistischen Tierlauten (darunter ein eindrucksvolles Violinsolo der Konzertmeisterin) und einen aufregenden Wolkenbruch samt Blitzzucken und Donnerschlägen zum Schluss.

Diese eindrucksvolle Demonstration gekonnter US-amerikanischer Unterhaltungsmusik umrahmte das GSO unter der spannungsreichen Leitung von Christoph-Mathias Mueller mit Werken von George Gershwin (die übrigens nicht etwa Grofé geschrieben hat, um den Aprilscherz des Dirigenten aufzulösen). Die Eröffnung bildete die selten zu hörende, schwungvolle und witzige Ouvertüre zum Musical „Strike Up the Band“, das Finale das auch bei wiederholtem Hören nie langweilige Orchesterstück „An American in Paris“. Hier konnten etliche Orchester­musiker in solistischen Aufgaben glänzen – von der Piccoloflöte über Bassklarinette, Trompete und Tuba bis zur Celesta, um nur einige zu nennen.
Dazwischen gab es ein großangelegtes Medley von Gershwin-Melodien, das der Pianist Hartmut Wettges arrangiert hatte: mit vielen Stücken aus der „Rhapsody in Blue“ und weiteren Ever­greens. Bisweilen hatte Wettges beim Arrangieren des Guten zuviel getan – dann übertönten die Blechbläser die Akkordgewitter des virtuosen Solisten. Doch wirkungsvoll war dieses opulente Gershwin-Menü allemal, wie der begeisterte Applaus der Zuhörer bewies.

Von Michael Schäfer

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