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Musiker des Göttinger Symphonie-Orchesters und Freunde spielen Schubert und Pfitzner

„Forellenquintett“ Musiker des Göttinger Symphonie-Orchesters und Freunde spielen Schubert und Pfitzner

Kaum ein Platz blieb frei am Montagabend bei der Rathausserenade mit Musikern des Göttinger Symphonie-Orchesters und Freunden. Kein Wunder – stand doch Franz Schuberts „Forellenquintett“ auf dem Programm, eines seiner populärsten Kammermusikwerke überhaupt.

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Quelle: Pförtner

Göttingen. Das Eröffnungsstück aber war eine Rarität im Repertoire, das Sextett g-Moll op. 55, das Hans Pfitzner kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs 1945 geschrieben hat. Von Anfang an Parteigänger der Nazis, rechtfertigte er noch nach Kriegsende mit unbelehrbarem Starrsinn die Vernichtung der Juden. Seine Musik freilich besitzt eine so hohe kompositorische Qualität, dass man sich ihrem Reiz nicht entziehen kann, auch wenn man die politische Einstellung ihres Schöpfers vehement ablehnen muss. Pfitzners Stil ist unzeitgemäß spätromantisch, sicherlich konservativ, aber mit eigenwillig progressiven Zügen.

 

Besetzt ist das Sextett mit Klarinette (Manfred Hadaschik) und Klavier (Julia Bartha) sowie vier Streichern (Natalie Kundirenko, Violine, Dmitri Feinschmidt, Viola, Joanna Kielar-Zachłod, Violoncello, und Holger Michalski, Kontrabass). Es fasziniert mit seinem heiteren, ja volkstümlichen Ton, der überhaupt nicht die Not dieser Zeit spiegelt. Die sechs Musiker arbeiteten feinfühlig die dialogischen Strukturen heraus, verblüfften mit Spielwitz und bereiteten den Zuhörern mit ihrem musikantischen Schwung viel Freude.

 

Derselbe Schwung, dieselbe Freude prägte Schuberts „Forellenquintett“. Julia Bartha ließ das Klavier in den Schu­bertschen Kantilenen ausdrucksvoll singen und zeigte in den transparenten, glänzend gespielten raschen Passagen hohe Virtuosität. Mit Leidenschaft und wunderbarer Leichtigkeit gestaltete Natalie Kundirenko ihren Violinpart. Als Widerpart in den tiefsten Lagen bot Holger Michalski ein lebendiges, immer auch kantables Kontrabass-Spiel. In den Mittellagen komplettierten Dmitri Feinschmidt mit seinem runden, fein ausgehörten Brat­schenton und Joanna Kielar-Zachłod mit ihrem sauber konturierten, warm vibrierenden Cellospiel das Ensemble.

 

Am Ende dieses anregenden, kurzweiligen Abends wollte das begeisterte Publikum den Musiker kaum gestatten, das Podium zu verlassen. So gab es als Zugabe noch einmal den Schluss des „Forellenquintetts“.

 

Von Michael Schäfer

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