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Musikkabarettisten „Die Geschwister Pfister“ im Deutschen Theater Göttingen

Toskana total Musikkabarettisten „Die Geschwister Pfister“ im Deutschen Theater Göttingen

Zu einer Zeit, in der noch nicht jeder wusste, wie das Meer aussieht, in der man noch keine Zitronenbäume im Baumarkt kaufen konnte, die Pizza noch nicht per App bestellt wurde – in der also die weite Welt noch nicht auf die Größe einer Internethomepage geschrumpft war – da erwachte die Sehnsucht nach Italien in den Herzen der Deutschen.

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Frohlockend auf ihrer Reise nach Rom: Die Geschwister Pfister.

Quelle: Fokke/Knecht

Göttingen. Einmal das Mittelmeer sehen, das haben sich auch Toni, Ursli und Fräulein Schneider im Gastspiel „Die Geschwister Pfister in der Toskana – Wie wär‘s? Wie wär‘s?“ im Deutschen Theater gewünscht.

In erster Linie singen die Darsteller, begleitet vom Jo-Roloff-Trio. Die Geschwister Pfister singen im obligatorischen VW-Käfer auf dem langen Weg nach Bella Italia, übernachten singend auf einem Campingplatz, wo Sohnemann Ursli Sexualität und Freiheit beim Tanztee entdeckt, um am nächsten Morgen davon in Form eines Bossanova-Medleys zu berichten. Dann geht es weiter in die Villa von Ralf Siegel, bis am Ende der Reise endlich Rom winkt. Unterwegs wird heftig in die Mottenkiste der Italoklischees und Stereotype gegriffen. Der Schlager ist da genau das richtige Kommunikationsmittel, um die ganze Borniertheit der kopierten Lebensfreude wiederzubeleben. Das muss man mögen oder aushalten.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht bei den Geschwistern Pfister. Wenn Christoph Marti mit seinem amerikanischem Akzent Peter Maffays Zeilen „Ich war 16 und sie 31“ singt, dann bricht sich für wenige Sekunden die Petticoat- und Sonnenschirminszenierung an seinem Blick, der klar macht: In diesem Lied geht es um eine pädophile Beziehung. Und dann ist der kritische Moment auch schon wieder vorbei und die Geschwister Pfister rasen weiter durch die Hitparade und einen ganzen Kleiderschrank voller Kostüme, bis man wieder über eine versteckte Ironie oder ein wollüstiges Augenzwinkern stolpert. Herausragend ist Andreja Schneider, alias Fräulein Schneider, die mit ihrem kroatischen Akzent und ihrem durch und durch als Vollweib inszenierten Charakter der Show erst Würze verleiht.

Ansonsten eine perfekte Show: Die Schuhe glänzen perfekt, das Lächeln sitzt perfekt, der Gesang ist perfekt. Vor allem der von Tobias Bonn ist so makellos, dass er sich sogar bücken kann, ohne dass es seiner Stimmen irgendwie anzumerken wäre. Kurz kann daran gezweifelt werden, ob hier wirklich live gesungen wird. Allerdings ein gelungener Abend für Fans.

Von Serafia Johansson

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