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Nautilus-Festival feiert in der Göttinger Musa Premiere

„Ein bisschen Kultur reinbringen“ Nautilus-Festival feiert in der Göttinger Musa Premiere

Ein adrett gekleideter junger Mann bringt ein Tablett auf die Bühne. Darauf stehen edle, mit Bier gefüllte Schnapsgläser. „Wir wollten ein bisschen Kultur hier reinbringen“, sagt Can, Sänger der Band „Catch A Bear“, bevor er im Song „Jeffrey“ gegen alle Spießer dieser Welt, Typ anzugtragender Schulsprecher, wettert.

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Wortkarg: die Band „Northern Lights“ mit „progressive pop“.

Quelle: Heller

Göttingen.  Das Göttinger Septett eröffnet am Sonnabendabend den zweiten Teil des Nautilus-Festivals in der Göttinger Musa. „Bier ist wichtig“, findet Can. Aber auch ohne Bier bringt „Catch a Bear“ die zu Beginn noch überschaubare Menschenmenge vor der Bühne mit ihrem Pop-Funk-Hip-Hop-Gemisch zum Tanzen und Feiern. Während auf der Hauptbühne also die Stimmung steigt, das Saxophon jault und die Menge tanzt, geht es im unteren Stockwerk im Eingangsbereich gemütlicher zu. An der Wand wird ein auf alt getrimmtes Unterwasser-Video gezeigt, dazu geben sich einige Musiker die Ehre für eine kleine Jazz-Jam-Session.

Von der Decke baumelt quallenartige Deko, Fischnetze, Fässer und Schatztruhen säumen den Merchandise-Bereich. Es scheint, das Festival hat sowohl sein Thema als auch seinen Auftrag verstanden. Junge Bands aus ganz Deutschland stellen sich Göttingen vor, sowohl für Gäste als auch Bands ein bereicherndes Erlebnis.

Es sei schon immer ein Traum von ihm gewesen, einmal ein Festival zu organisieren, sagt Philipp Holländer, Mitglied der Göttinger Band „Flooot“. „Wir haben in den vergangenen Jahren gute Bands kennenlernt, das sind Verbindungen, die wir jetzt nutzen“, sagt er. Eigentlich hätte das Festival nur einen Tag stattfinden sollen. „Aber dann haben so viele Bands zugesagt, dass wir es einfach auf zwei Tage ausgedehnt haben.“ Neun Monate saß Holländer an der Organisation des Events. „Es macht Spaß, alle packen mit an“, resümiert Holländer sichtlich zufrieden.

Mixtur aus Fettes Brot und Deichkind

Insgesamt etwa 400 Gäste kamen an beiden Tagen. Diejenigen, die am Sonnabend gekommen waren, hörten auch den „progressive pop“ von „Northern Lights“. Die Mitglieder des Quartetts sind im wahrsten Sinne des Wortes „Nordlichter“, geben sich „wortkarg und lassen die Mucke sprechen“. Das tun sie zweistimmig und qualitativ hochwertig. Fulminante Jazzelemente und ein Kontrabass machen den Auftritt der Band besonders, verströmen Party und Intellekt zugleich. Bei „So What“ dürften auch alle von „Catch A Bear“ besungenen Spießer – falls überhaupt anwesend – kurz die Krawatte gelockert haben.

Einer Mixtur aus Fettes Brot und Deichkind ähneln „Otto Normal“ aus Freiburg. Sänger Chabezo rappt und improvisiert, als gäbe es keinen Morgen. Auf Reggae- und Hip-Hop-Beats packt er gekonnt die zehn Begriffe, die ihm vorher aus dem Publikum zugerufen und auf ein Flip-Chart notiert werden. „Eierkuchen“ und „Schlüsseldienst“ werden sogleich mit viel Coolheit von Chabezo eingebunden.

Die mittlerweile auf 200 Besucher angewachsene Menge johlt. Als letzte Band des Festivals betreten um Mitternacht die Lokalmatadoren von „Flooot“ die Bühne. Mit „Bootey-Shake-Sessions“, Deutschrap und jeder Menge Blasmusik kitzelt die Band auch noch das letzte Fünkchen nicht mobilisierter Tanzwut aus den Festivalbesuchern heraus.

Krönender Abschluss des Festivals bildet um halb zwei ein All-Star-Band-Medley, in dem die Musikstile der Gruppen zu einem riesigen Bonbon verschmelzen. Die Premiere des Nautilus-Festivals darf als ultimativ gelungen gelten.

Von Katharina Kilburger

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