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Navid Kermani über den Rockmusiker Neil Young

Eine besondere Verbindung Navid Kermani über den Rockmusiker Neil Young

Die einen lassen kein gutes Haar an seiner Musik, die anderen sind ergriffen, geraten ins Schwärmen, wenn sie seine Songs hören: Neil Young sammelt viele Einwände gegen sich und hat doch seit Jahrzehnten eine große Fangemeinde.  Auch in Göttingen.

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Quelle: Heller

Göttingen. Voll besetzt war das Literarische Zentrum am Mittwochabend, als in der Reihe Liederabend über Young gesprochen wurde. Der Schriftsteller Navid Kermani stellte sein Werk „Das Buch der von Neil Young Getöteten“ ebenso wie einige seiner Lieblingssongs vor. Den Abend moderierte der Göttinger Literaturwissenschaftler Gerhard Kaiser.

Vier Klischees, so Kaiser, würden immer wieder bemüht, wenn von Young die Rede sei: 1. Er kann nicht singen. 2. Er kann nicht Gitarre spielen. 3. Er kann beides nicht. 4. Seine Texte sind naiv und taugen nichts. Kermani, habilitierter Orientalist, Journalist und Romanautor, kann keins dieser Klischees verstehen. Sicher gebe es auch bei Young schlechte Zeilen, aber die guten seien von unheimlicher Dichte und extrem präzise. Er sucht nach einer CD. „Pardon my ­Heart“, ist sein Beispielsong. „Da wiegen vier Zeilen die meisten Eheromane auf“, schwärmt er.  „It’s a sad communication. With little reason to believe. When one isn’t giving. And one pretends to receive.“

In seinem Buch erzählt Kermani von dem Musiker und dem speziellen Verhältnis seiner heute 16-jährigen Tochter zu Young. Als Baby wurde sie von Drei-Monats-Koliken gequält. Nichts half, nichts tröstete. Bis der Vater eher zufällig den CD-Spieler anmachte, in dem eher nicht zufällig eine Scheibe von Young steckte. Auf einmal Stille, das Kind kam zur Ruhe. Keine andere Musik half. „Kein Mozart, keine afrikanischen Rhythmen“, so Kermani. Nur Young. Die Alben wechselten, das Ritual blieb. Bis heute ist Young eine ganz besondere „Verbindung zwischen uns“, erklärt der Autor. Gemeinsam fahren sie immer wieder zu den Konzerten des inzwischen 69jährigen. Auf denen ist seine Tochter zwar eine der eher raren Frauen, nicht aber die einzige  der jungen Generation.

Diese Fähigkeit, immer wieder an andere Generationen Anschluss zu bekommen, bewundert Kaiser. Wie Young das schaffe? Qualität – natürlich, so Kermani. Young sei ja nicht stehengeblieben. Habe vieles Neue aufgenommen, einfließen lassen. In all den Jahren seit 1968  sei der Sound weiter gewachsen. Dieser spezielle Sound von Young und seiner Band Crazy Horse. Youngs Gitarre werde nicht höher, nicht schneller, keine artistischen Einlagen. Er gehe ekstatisch in die Breite. Kermani schwärmt. Einige Songs spielen Kaiser und er im Lauf des Abends vor. Dabei immer andächtig konzentriert und mit diesem feinen, leichten Wippen des Oberkörpers.

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