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„Nein, Händel macht mich nie traurig“

Abschied von McGegan „Nein, Händel macht mich nie traurig“

Eine Ära geht zu Ende. Im 21. Jahr seiner künstlerischen Leitung der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen nimmt Nicholas McGegan seinen Abschied. Die Festspiele vom 3. bis 14. Juni stehen zum letzten Mal unter der Führung des 1950 in England geborenen Dirigenten, der dann die Leitung seinem Landsmann Laurence Cummings übergibt.

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In Sachen Händel aktiv: Wucherpfennig, Wilckens, Sandberger, Schwandner, McGegan, Schreiber, Schormann, Rappe, Schlapeit-Beck und Scharner (von links).

Quelle: Hinzmann

Doch von Melancholie ist nichts zu spüren, als McGegan am Mittwoch zusammen mit Prof. Wolfgang Sandberger, dem künstlerisch-programmatischen Intendanten, das Festspielprogramm im Deutschen Theater vorstellt. „Nein, Händel macht mich nie traurig“: So beantwortet er Sandbergers Frage nach seinen Gefühlen beim Abschied. Nostalgisch lässt Sandberger die „Agrippina“-Ouvertüre anspielen – eine Göttinger Aufnahme aus dem Jahr 1991, in dem McGegan seine Tätigkeit aufnahm. „Vive le Baroque“ ist das Motto der diesjährigen Festspiele, die die gegenseitigen Einflüsse zwischen Händel und der französischen Musikkultur seiner Zeit zum Thema haben. Herzstück der Festspiele ist die Oper „Teseo“ in einer Inszenierung der New Yorker Barock-Choreografin Catherine Turocy. Sie will mit Elementen aus heutigen sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter den Bogen von der klassischen Barockoper bis in die Gegenwart spannen. In den Hauptrollen der Oper – die auf ein bereits von Jean-Baptiste Lully vertontes Libretto zurückgeht – sind Susanne Rydén (Teseo) und Dominique Labelle (Medea) zu erleben. Französisch an „Teseo“ sind neben der Herkunft des Librettos, hebt McGegan hervor, die fünfaktige Form und der vielfache Einsatz von Ballett. Premiere ist am 3. Juni im Deutschen Theater, weitere Vorstellungen sind am 4., 8., 12. und 13. Juni angesetzt.

Seinen Abschied feiert McGegan mit einem Gala-Konzert, zu dem er als Solisten neun Sängerinnen und Sänger eingeladen hat, die unter seiner Leitung in Göttingen aufgetreten sind. Mit dabei sind die Sopranistinnen Dominique Labelle und Susanne Rydén, die Mezzosopranistinnen Wilke te Brummelstroete und Cécile van de Sant, dazu die Countertenöre Robin Blaze und Kai Wessel, den Tenor Thomas Cooley sowie die Bassisten William Berger und Wolf Matthias Friedrich. Diese Solisten-Auslese wird begleitet vom Festspielorchester Göttingen, das McGegan 2006 gemeinsam mit Benedikt Poensgen gegründet hat und von dem ihm der Abschied, wie er eingesteht, doch ein wenig schwer fällt. In Göttingen steht dieses Galakonzert am 14. Juni auf dem Programm. Darüber hinaus wird es zweimal in auswärtigen Gastspielen präsentiert: am 16. Juni in Herrenhausen und am 18. Juni auf Schloss Melle.

Etwa 30 Veranstaltungen stehen an den elf Festspieltagen in Göttingen und im Umland auf dem Programm. Regionalkonzerte sind im Ursulinenkloster Duderstadt, auf den Burgen in Hardegsen und Adelebsen, in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg, auf dem Gräflichen Landsitz Hardenberg, in der Wasserscheune Erbsen sowie an zwei neuen Spielorten angesetzt: der Klosterkirche Wiebrechtshausen und der Kulturhalle Teistungenburg. Die von Gerhard Scharner, Mitglied des Vorstands der Händel-Gesellschaft, geförderte Zusammenarbeit mit den Händel-Festspielen in Halle ist intensiviert, es gibt einen doppelten Austausch. Nicholas McGegan dirigiert in Halle am 10. Juni Händels Oratorium „Athalia“, das einen Tag später in Göttingen zu hören ist. Dafür gastiert die Händel-Festspiele Halle mit dem Oratorium „Jephtha“ in Göttingen: am 12. Juni mit dem Salzburger Bachchor und dem Händelfestspielorchester Halle unter der Leitung von Bernhard Forck.

Laurence Cummings, der designierte Nachfolger McGegans, stellt sich am 5. Juni mit den London Handel Players in einem Konzert zum Thema „Orphée“ vor. Mit einer „kleinen Welterstaufführung“, so Sandberger, wartet das Göttinger Symphonie Orchester auf. Im Konzert am 12. Juni stellt es unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller zwei Händel-Arien in französischen Fassungen des 19. Jahrhunderts vor. Sie stammen von Gounod und Meyerbeer, gefunden wurden die Stücke kürzlich im Nachlass der Sopranistin Pauline Viardot, der in den USA aufbewahrt wird. Der Festspieletat ist 2011 mit rund 1,5 Millionen Euro etwa ebenso hoch wie im Vorjahr. Bei der Programmvorstellung haben alle Zuschussgeber signalisiert, ihre Fördermittel auch künftig den Festspielen zukommen zu lassen. Das gilt für das Land Niedersachsen, bei der Pressekonferenz vertreten durch Ministerialdirigentin Annette Schwandner, für die Stadt Göttingen (Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck), den Landkreis Göttingen (Kreisrat Franz Wucherpfennig), Hauptsponsor Eon Mitte (Henrich Wilckens), die Sparkassenstiftung (Sabine Schormann) und die Sparkasse Göttingen (Michael Rappe). NDR Kultur wird, wie Musikchef Michael Schreiber ausführte, etwa zehn Festspielkonzerte live übertragen, auch die Eröffnungspremiere der Oper „Teseo“. Michael Schäfer

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