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"Netboy" - Premiere im Deutschen Theater

Gefährliches Netz "Netboy" - Premiere im Deutschen Theater

Wie für Teenager aus Netzbekanntschaften ein Albtraum werden kann, das hat sich am Sonntag bei der Premiere des Stückes „Netboy“ im Studio des Deutschen Theaters gezeigt. Johannes Rieder hat das Stück von Petra Wüllenweber  mit Julia Duda, Felicitas Madl und Moritz Schulze inszeniert.

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Die Schauspieler Julia Duda, Felicitas Madl und Moritz Schulze (von links).    

Quelle: Winarsch

Göttingen. Die drei sind ganz normale Jugendliche, die sich mit üblichen Alltagsproblemen herumplagen: der Schule, den anderen und den Eltern. Marie (mit großer Bühnenpräsenz: Felicitas Madl) hat gerade Stress mit ihren Eltern. Diese sind getrennt und setzen immer sich an die erste Stelle. So will Maries Vater wegen seiner neuen Freundin nach Berlin ziehen, was die bisher regelmäßigen Wochenendbesuche schwierig macht. Maries Mutter hat für den Frust ihrer Tochter wenig Nerven. Marie ist in der Schule zwar beliebt und wurde gerade zur Klassensprecherin gewählt, aber den nötigen Halt findet sie nur bei Netboy, einer Chatbekanntschaft. Der hat ein offenes Ohr für sie und scheint schlau zu sein, denn seine Posts wimmeln nur so von Kafka-Zitaten.

"Sie will ihm gefallen und hört auf seinen Rat."

Gekonnt ist der Dialog inszeniert: Marie ruft hilfesuchend in den (Zuschauer)raum  und mit dem bekannten „Plopp“ erscheint Netboys Antwort auf einer großen, weißen Wand. Schnell hat dieser 15-jährige Internatsschüler aus der Schweiz – so schreibt er zumindest über sich – Marie an der Angel. Sie will ihm gefallen und hört auf seinen Rat.

Als sie ihm erzählt, dass die Chemielehrerin Bruttschner ihre Freundin Sarah im Unterricht schikaniert, fordert er sie auf, ihren wütenden Worten Taten folgen zu lassen und ihre  Notdurft vor deren Tür zu verrichten. Erst zögert sie, aber als Netboy mit Aufmerksamkeitsentzug droht, macht sie ernst, hinterlässt einen Haufen vor der Tür der Lehrerin und fühlt sich zunächst heldenhaft. Doch die Aktion hat fatale Folgen, denn plötzlich taucht ein Foto auf und Marie wird erpress- und verwundbar. Verzweifelt versucht sie sich aus ihrer Abhängigkeit zu befreien. Eindrucksvoll durchbricht Madl an dieser Stelle mit ganzem Körpereinsatz auf hohen Absätzen die weiße Wand, aber für einen Befreiungsschlag ist es zu spät.

Das Netz hat ein langes, unbarmherziges Gedächtnis

Ohne mit der Moralkeule zu schwingen, transportiert sich die Botschaft des Stückes, dass man nicht so leicht vertrauen sollte. Das Netz hat ein langes, unbarmherziges Gedächtnis, Feinde gewinnen durch Bilder an Macht und bleiben zugleich anonym.

Von Marie Varela

Weitere Vorstellungen: 28. April und 11. Mai um 18 Uhr sowie am 21. Mai um 20 Uhr im Studio des Deutschen Theaters Göttingen, Theaterplatz 11 in Göttingen. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

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