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„Netzwelt“ von Thomas Dannemann in Göttingen

Premiere im Deutschen Theater „Netzwelt“ von Thomas Dannemann in Göttingen

Ist es in Ordnung, wenn wir in der virtuellen Welt alles dürfen? Schützt das unsere reale Welt? Macht es uns kaputt, weil wir mit der Realität immer weniger zurecht kommen? Viel Stoff zum Nachdenken bot die gelungene Inszenierung „Netzwelt“, die am Sonnabend im Deutschen Theater Premiere hatte.

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"Die Netzwelt" am Deutschen Theater Göttingen.

Quelle: Müller

Göttingen. Die amerikanische Autorin Jennifer Haley zeigt in ihrem Stück „Netzwelt“ eine Computerwelt, die vielleicht gar nicht mehr so fern ist. Selbst Gerüche und haptische Erfahrungen lassen sich übertragen. Mit einem Avatar können Besucher online sinnliche Erfahrungen machen. Menschen schließen sich für Wochen an Lebenerhaltungssysteme an, und bewegen sich nur noch in der virtuellen Welt.

Virtueller Mord

Im von Mr. Sims (Florian Epinger) erstellten Refugium, können Pädophile ihren Neigungen nachgehen. Bevor die Beziehungen zu nahe werden, legt Sims, der sich hier Papa nennt, seinen Gästen nahe, die Mädchen virtuell zu ermorden.

Im realen Leben, so Geschäftsmann Sims, hat Pädophilie berechtigterweise Konsequenzen. Da sie aber nicht heilbar sei, habe er einen Ort geschaffen, an dem Menschen ihre Phantasien ausleben können. Und keinem schaden. Ein Dasein ohne Konsequenzen, das er für wünschenswert hält.

Die Ermittlerin Morris (Katharina Uhland) sieht das anders. Es habe Konsequenzen, was wir dort im Refugium tun, es verändere den Menschen. Sie will herausfinden, wie diese Handlungen im Netz ablaufen und den realen Mr. Sims dazubringen, den Server seines Refugiums abzuschalten.

Packend und Eindringlich

Als Agent Woodnut (Bardo Böhlefeld) recherchiert sie im Refugium und trifft dort das Mädchen Iris (bei der Premiere von Alma Nossek gespielt, in weiteren Aufführungen auch von Luzia Schareika, Maren Röhrig und Yanthe Glienke) . Über Iris - in der Realität der frustrierte Physiklehrer Doyle (Paul Wenning) – findet Morris die Spur zum realen Mr. Sims.

Nächste Vorstellungen

Freitag, 29. April, und Mittwoch, 11. Mai, jeweils um 19.45 Uhr.

Regisseur Thomas Dannemann gelingt eine packende Umsetzung des Stückes. Eindringlich bewegt sich das Ensemble mit einer insgesamt starken Leistung durch das Stück. Das clevere, schlichte Bühnenbild von Heike Vollmer zeigt die virtuelle Welt im schwarzen Rahmen hinter einem Schleier. Das Refugium ist ein romantisches Mädchenzimmer, vor dem Haus blüht ein Kirschbaum. Die Realität vor dem Schleier ist leer und öde.

„Bilder und Wahrnehmungen sind vergänglich. Auf die Beziehungen kommt es an“, sagt Doyle. Es geht immer nur um Beziehungen. Und auch wenn die virtuelle Welt Gefühle bietet, die sie in der Tiefe noch nicht erlebt habe: "die reale Welt ist immer noch der Ort, an dem wir lernen müssen zu leben“, sagt Morris. Netzwelt bietet dem Zuschauer keine einfachen Antworten, aber viele Denkanstöße. Das Publikum applaudiert beeindruckt.

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