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Niedersächsische Musiktage: Hornist Klieser mit Kammerorchester im Welfenschloss

Kerzenleuchter in Fensternischen Niedersächsische Musiktage: Hornist Klieser mit Kammerorchester im Welfenschloss

Kein Sitz blieb frei, als am Donnerstag im Rittersaal des Mündener Welfenschlosses der Hornist Felix Klieser zusammen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn konzertierte. Der Abend im Programm der Niedersächsischen Musiktage stand unter dem Motto „Hörabenteuer bei Kerzenschein“.

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Virtuos: der mehrfach ausgezeichnete Hornist Felix Klieser beim Konzert im Rittersaal.          

Quelle: Schäfer

Hann. Münden. Für extreme Abenteuer ist das ehrwürdige Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert freilich nicht geeignet. Die Kerzenleuchter in den tiefen Fensternischen – sorgsam bewacht von der eigens dafür eingesetzten Feuerwehr – waren für die rund 250 Zuhörer mehr zu ahnen als zu sehen. Aber die dämmerige Atmosphäre trug ein Gutteil zum Reiz dieses Abends bei.

Auf dem Programm standen Hornkonzerte von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart – die Klieser jüngst mit diesem Orchester auf CD eingespielt hat – sowie zwei Suiten von Henry Purcell und die „Abschiedssymphonie“ von Haydn. In den Purcell-Suiten – dies der einzige Wermutstropfen des genussreichen Abends – fehlte es ein wenig an der Leichtigkeit des Bogenstrichs, wie man ihn von der historischen Aufführungspraxis kennt. So klang die Musik zu „Abdelazer“ und „King Arthur“ eher soldatisch stramm als tänzerisch.

Doch in Haydns D-Dur-Hornkonzert und dem aus zwei einzeln überlieferten Sätzen rekonstruierten Mozart-Konzert (KV 370b und 371) war der Klang des Württembergischen Kammerorchesters deutlich aufgelichtet. Dirigent Ruben Gazarian agierte temperamentvoll mit viel Sinn für wirkungsvolle Kontraste. Und die glänzende Virtuosität, mit der Klieser seinen Solopart auch in den kitzligsten Sprüngen und in den im Wortsinn atemberaubenden raschen Läufen gestaltete, ließ die Zuhörer staunen – ebenso die Vielfalt seiner klangfarblichen Möglichkeiten vom zärtlichen Pianoton bis zum kraftvoll schmetternden Forte. Am Ende des Mozart-Konzertes gab es Standing Ovations, für die sich Klieser mit dem Rossini-Solo „Le Rendez-vous de chasse“ bedankte.

Wirkungsvolles Schlussstück des Abends war Haydns abwechslungsreich musizierte „Abschiedssymphonie“, in deren Adagio-Finale ein Musiker nach dem anderen die Bühne verlässt, bis am Ende nur noch zwei Violinen übrigbleiben. Dieses Finale ist Dokument eines gelungenen musikalischen Arbeitskampfes: Haydns brachte mit diesem Überraschungscoup seinen Dienstherrn, den Fürsten Esterhazy, geistreich und galant zur Einsicht, dass die Musiker seiner Kapelle urlaubsreif waren.

Hübsch wäre es gewesen, wenn die Musiker in Hann. Münden tatsächlich kerzenbeleuchtete Notenpulte gehabt hätten. Aber das Ausknipsen der elektrischen Leuchten hatte eine ähnlich überzeugende Wirkung – prasselnder Beifall und als Orchester-Zugabe Bachs Air aus der D-Dur-Suite.

Weitere Konzerte der Niedersächsischen Musiktage in der Region: Am Freitag, 2. Oktober, gastieren Avi Avital (Mandoline) und Richard Galliano (Akkordeon) um 20 Uhr im Atrium auf dem Gräflichen Landitz Hardenberg. Am selben Tag singt das Junge Vokalensemble Hannover um 20.30 Uhr im Internationalen Haus Sonnenberg in St. Andreasberg.

Von Michael Schäfer

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