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Nils Heinrich mit Programm „Weiß Bescheid“ im Apex Göttingen

Munition fürs Kabarett Nils Heinrich mit Programm „Weiß Bescheid“ im Apex Göttingen

Wenn Nils Heinrich sein Geld mit Krieg verdienen wollte, wäre er Munitionsfabrikant geworden. „Da hat man wenigstens den ganzen Service-Dreck nicht an der Backe“. Keine Kundenhotline, kein Ökotest, der auf Weichmacher kontrolliert. Stattdessen ist Heinrich Kabarettist geworden und fährt „auch mal in Orte, wo jeder zweite Familienstammbaum nur einen Ast hat“.

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Macht sich einen Kopf über die Dinge der Welt: Nils Heinrich.

Quelle: Heller

Göttingen. Und wo die Leute sagen: „Oh, ein junger Mensch, das muss der Künstler sein“. „Ruhm ist was anderes“, gibt der gebürtige Ostharzer zu.

Aber in Zeiten von Bahnstreik, Ebola und Rentnern, die einem bei Sportcheck die Funktionsunterwäsche wegkaufen, braucht es wohl Menschen wie ihn, die den globalen Unsinn auch in die kleinen Orte der Welt tragen, meint Heinrich. Am Sonnabend bringt er eine ordentliche Ladung davon mit ins ausverkaufte Göttinger Apex.

Heinrich „weiß Bescheid“. So zumindest der Name seines aktuellen Programms. Es habe sich viel getan in den letzten 25 Jahren. Die Mauer ist weg. Die Russen sind – zumindest momentan noch weg, sagt Heinrich.  
Statt der Mauer sind es heute andere Bauwerke, die den Künstler nerven. Da wäre zum Beispiel der Berliner Flughafen. Immerhin aber liefert der seit Jahren treu Munition für Heinrichs wortgewaltiges Kabarett.

Verknüpft das Kleine mit dem Großen

Genau wie Stuttgart 21, twitternde Mädchen, Smartphones, Urlaub im Harz und die Politik unserer Zeit. Heinrich verknüpft auf grandiose Weise das Kleine mit dem Großen. Über den montagmorgendlichen Ärger am Pfandflaschenautomat weiß er genau so mitreißend zu erzählen wie über aktuelles Weltgeschehen. Dabei ist er nicht nur bitterböse.

Er bricht eine Lanze für die „Südfrüchte der DDR“ (Salzkartoffeln aus Thüringen) und widmet den durch Ebola und Bahnstreik in Vergessenheit geratenen Lebensmittelskandalen ein Lied. Heinrich baut Brücken: Von damals zu heute, von Ost nach West, aus dem Kinderzimmer seines Sohnes in die USB-Kabel-Fabriken in China.

Dazwischen liest er, singt, spielt Gitarre, reimt und rappt als gäbe es keinen Morgen. In Dialekten ist er genau so sicher wie in seinen teilweise aberwitzigen Satzkonstruktionen. Die Pointen sitzen, die Ironie trifft. Heinrich paart Gesellschaftskritik mit Alltagsanekdoten und ist bei aller Poesie auch nicht um brachiale Wortwitze verlegen („Ursula von der Leyen: Von der Gebärmutter zur Gewehrmutter“).

Als Zugabe gibt Heinrich dem begeisterten Publikum nach zwei Stunden eine Zukunftsprognose. Der zufolge wird die NSA im Jahr 2018 die Liedtexte von Herbert Grönemeyer verstanden haben und im Jahr 2022 wird Till Schweiger dem „Tatort“ den Rücken kehren.

Von Katharina Kilburger

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