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Ningel: Junger Milder mit Fortpflanzungswunsch im Göttinger Apex

Auszug in Sicht Ningel: Junger Milder mit Fortpflanzungswunsch im Göttinger Apex

Der Meistertitel der deutschen Kabarettbundesliga gesellte sich 2016 als letzter Preis zu den bereits acht Kleinkunstpreisen des jungen Kabarettisten Matthias Ningel. Nun war er im Göttinger Apex mit seinem Programm „Jugenddämmerung“ zu Gast.

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Quelle: Richter

Und es dämmert Matthias Ningel so einiges. Zum Beispiel, dass ihm mit dem längst fälligen Auszug aus dem elterlichen Haus die „Super-App“ schlechthin verloren geht: Seine Eltern.

Die wollen ihn nach Studium und mit nun bald 30 Lenzen auf dem Buckel doch gern auf eigenen Beinen und nicht mehr unter dem selben Dach sehen. Auch ein Enkelwunsch seitens der Mutter besteht plötzlich.

So fragt der zarte junge Mann mit den niedlichen Knopfaugen dann auch gleich pflichtbewusst ins Publikum: „Hat jemand vor sich bald fortzupflanzen?“.

Die Göttinger brauchen etwas um mit dieser Direktheit umzugehen und wollen sich von dem Mainzer auch lieber nicht duzen lassen. Dieser nimmt das gelassen, flexibel und sprachgewandt wie er sich an diesem Abend zeigt.

Mit großer Bühnenpräsenz und Energie besingt er die Probleme und Eigenheiten seiner Generation, „die jungen Milden“ genannt. Es gehe ihnen zu gut daheim, wo sie ihre Zeit mit Serien totschlügen und sich vor lauter Möglichkeiten nicht entscheiden könnten während sie fleißig Selfies und „Foodies“ (Fotos von den Mahlzeiten) posteten und sich nicht binden könnten vor lauter Angst, es könne der oder die falsche sein.

Äußerst produktiv erweist sich Ningels Feindbild Rolf, der Frau, Haus, Sportwagen und einen transformierten Körper mit 8 Nacken aufweisen kann. An ihm arbeitet er sich ab und schärft das Gefühl für das eigene, kleine Selbst, dass doch eigentlich nur Ilona will.

Seine witzigen, von Ironie und Wortschöpfungen geprägten Texte kontrastieren auf besondere Weise mit seinen süffigen und getragenen Melodien am Klavier. Singen kann er gut, Klavierspielen noch besser und immer ist Ningel für eine Überraschung gut.

Stellte sich gerade noch familiäre Gemütlichkeit ein, wird diese mit verbaler Munition wie „Hose runter – quality time“ wirkungsvoll befeuert. Mit seinem Lied „Ich bin ein bunter Hund“ begibt er sich von der Nabelschau noch einmal aufs politische Parkett, was dem Programm Perspektive gibt.

„Ich bin so toll- so tolerant“, feiert sich das Ich des Liedes, das aber bitte keinen direkten Kontakt zu Behinderten, Homosexuellen oder Flüchtlingen wünscht.

Mit dieser klaren Ansage gegen Intoleranz und Ausgrenzung will Ningel sein Programm schließen. Das Publikum wünscht sich jedoch mehr und bekommt zur Tageszeit passend ein Schlaflied.

Von Marie Varela

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