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Gewisse Weitschweifigkeit

Nooteboom beim Göttinger Literaturherbst Gewisse Weitschweifigkeit

Zwei neue Bücher hat der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom geschrieben. Eines davon, „533 Tage – Berichte von der Insel“, wird der 83-Jährige beim Göttinger Literaturherbst vorstellen.

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Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom.        

Quelle: dpa

Göttingen/Berlin. In den Niederlanden erscheinen Bücher von Nooteboom schon mal mit der Aufschrift „In Deutschland schon 100 000 mal verkauft“. Früher stand darunter manchmal noch ein Zitat von Marcel Reich-Ranicki: „Dass die Holländer so einen Schriftsteller haben!“ Das wundert sie selbst. In den Niederlanden hat der Nooteboom-Boom so nie stattgefunden. In Deutschland dagegen wurde er mitunter sogar für den Nobelpreis gehandelt.

Mittlerweile ist Nooteboom 83, aber noch immer höchst produktiv. Gerade sind wieder zwei Bücher von ihm erschienen: „533 Tage – Berichte von der Insel“ bei Suhrkamp und „Tumbas - Gräber von Dichtern und Denkern“ bei Schirmer/Mosel. Beide Bücher sind nur etwas für echte Nooteboom-Fans.

In seinen besten Momenten stellt Nooteboom Verknüpfungen her und Überlegungen an, die den Leser noch lange beschäftigen können. Leider hat der vielfach ausgezeichnete Autor im Laufe der Zeit auch eine gewisse Weitschweifigkeit entwickelt, so dass die Abstände zwischen solchen Passagen zusehends länger werden.So verhält es sich mit dem ersten Buch, das sich um Nootebooms Sommerwohnsitz, die spanische Insel Menorca, dreht. Dieser Band enthält einige sehr schöne Stellen, die man dauerhaft in Erinnerung behält. Zum Beispiel wenn er sich darüber Gedanken gemacht, wie ihn wohl die frei lebenden Schildkröten in seinem Garten sehen. Oder wenn ihm beim Geschrei der Möwen ganz plötzlich eine Szene aus dem „Hungerwinter“ 1944/45 in den Sinn kommt, als die „Festung Holland“ von der Nahrungsmittelversorgung abgeschnitten war und sein Vater versuchte, auf dem Dach ihres Hauses in Den Haag Möwen zu fangen.

Würde er doch nur mehr von sich selbst erzählen und weniger über James Joyce, Canetti und Voltaire.

Der zweite Band beruht auf einer sehr reizvollen Idee: Nooteboom besucht die Gräber bekannter Schriftsteller, und seine Frau, die Fotografin Simone Sassen, hält diese Gräber im Bild fest. Nooteboom ist dafür besonders geeignet, weil er einerseits ungeheuer belesen ist und andererseits die ganze Welt bereist hat. Er hat sich in der Südsee sogar durch den tropischen Regenwald bis zur letzten Ruhestätte des „Schatzinsel“-Autors Robert Louis Stevenson vorgekämpft. Der liegt dort ganz allein auf einem heiligen Berg in der Wildnis. „Wenn ich gegangen war, würde wieder die gleiche Stille herrschen wie in der ersten Nacht seines Todes.“

Die Bücher

Cees Nooteboom: 533 Tage, Berichte von der Insel, Suhrkamp, 255 Seiten, 22 Euro.

Cees Nooteboom: Tumbas, Gräber von Dichtern und Denkern, Mit Photographien von Simone Sassen, Schirmer Mosel, 328 Seiten, 28 Euro.

Am Sonntag, 23. Oktober, ist der Autor beim Literaturherbst um 19 Uhr zu Gast im Deutschen Theater, Theaterplatz 11. Karten gibt es in den  Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt.

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