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Emotionaler Kehraus

Obscure Summer Sounds Abschieds-Festival Emotionaler Kehraus

Nach acht Jahren ehrenamtlicher Konzertproduktion lud die Agentur „obscure concerts & booking“ noch ein letztes Mal in die Musikclubs der Stadt. Dazu schnürten die MacherInnen mit zwölf Konzerten an zwei Tagen noch mal einen großen Strauß bunter Musik als Dankeschön an Besucher, Venues und Helfer.

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Quelle: lin

Göttingen. Hinter der Agentur standen im Laufe der Jahre Luise Brandenburger, Inga Kottke, Christian Fiedler und Nikola Müller. Alle haben, respektive wollen, Göttingen verlassen, so dass sie nun bedauerlicherweise ihre Aktivitäten niederlegen müssen. Um sich nicht klanglos zu verabschieden, haben sie noch mal als Dankeschön an die vielen BesucherInnen, Venues und Helfer ein buntes zweitägiges Festival organisiert.

Dieses wurde am frühen Abend unter freiem Himmel stimmungsvoll auf der Innenhofbühne des Dots eröffnet. Die Göttinger Singer-Songwriterin Jessica Szturmann hatte „passend für die Eröffnung eines Indie-Festivals“, wie sie befand, mit „One Tear At A Time“ ein trauriges Liebeslied gewählt.

Leaves & Trees aus Hannover, eigentlich fünfköpfig besetzt, sind im Duo angereist. Sie setzen die intime Stimmung in dem inzwischen fast vollbesetzten Hof mit Rabea Bollmanns elegischem Cellospiel und mit Baumerts warmer Stimme zur akustischen Gitarre fort. Ihre Songs wirken zerbrechlich und zart wie Pergamentpapier.

Lauteren Bandsound gab es anschließend im Exil. Dort spielte die deutsche Band Neufundland mit Punkrockwurzeln und deutschsprachigen gesellschaftskritischen Texten auf, gefolgt von der Berliner Folkpopband „Fenster“.

Zu späterer Stunde beeindruckt der deutsche Songwriter Stephan Honig mit kratzig kräftiger Stimme zur Gitarre und Ukulele solo im Nörgelbuff, während das begeisterte Publikum dicht gedrängt die Bühne belagert.

Im Trubel der zwischenzeitlichen Pause fast unbemerkt schleicht die kanadische Violonistin und Sängerin Hannah Epperson auf die Bühne und scheint etwas irritiert ob der Unruhe zu Beginn ihres Auftritts. Gezupft und gestrichen schichtet sie ihre Melodiebögen übereinander, legt ihre zarte Stimme darüber und schafft so faszinierende, sphärische Klangfarben und Stimmungen. Ein passender Ausklang des ersten Festival-Tages weit nach Mitternacht.

Der zweite Tag beginnt lautstark im vollbesetzten Exil mit dem beeindruckenden ersten Auftritt der vierköpfigen Göttinger Indie-Rock-Band Sleeves um den Sänger und Gitarristen Sasha Kugler. Nahtlos schließt die ebenfalls frisch formierte deutsche Band „LionLion“ um die Zwillingsbrüder Michael und Matthias Rückert daran an. Knackig harte Drums, die sie zwischenzeitlich auch mal zu dritt bearbeiten, bilden die Basis ihrer mit Präzision und kompositorischer Vielfalt angelegten Indie-Rock Nummern.

Eine kurzfristige Absage müssen die Veranstalter mit dem polnischen Duo „Coals“ schlucken. So ist es dem aus Brooklyn stammenden Singer-Songwriter Kevin Devine im Anschluss vorbehalten, allein die Bühne zu füllen. Das gelingt ihm fast spielerisch mit kräftiger Stimme und beeindruckenden Songs zwischen sanft akustischen Momenten und leidenschaftlichen Ausbrüchen.

Ein letzter Locationwechsel führt die immer noch nicht festivalmüden Besucher in den Nörgelbuff, wo die vierköpfige niederländische Band Black Oak um die Sänger und Gitarristen Geert van der Velde und Thijs Kuijken einen heimlichen Höhepunkt des Festivals abliefern. Locker dahingaloppierender Indie-Folk mit fließenden Gitarren-Licks, entspannten Rhythmen und mehrstimmigem Gesang sind die Grundlage ihrer mitreißenden Songs.

Die abschließende Abschiedsparty dürfen dann Sea Moya mit ihrer knallharten Mischung aus mit Verzerrungen, Frequenzfiltern und Echos kreierten und von Elektronik und Afro-Beats bestimmten Soundwelt einleiten.

Viele der Musiker lobten im Laufe ihrer Auftritte immer wieder das Engagement der MacherInnen von Obscure. Diese waren hochzufrieden mit dem Ablauf und werden ein großes Loch in der kulturellen Szene Göttingens hinterlassen. Das hat dieses Festival mit seiner großen musikalischen Vielfalt und den zahlreichen begeisterten Besuchern eindeutig noch mal gezeigt.

Von Jörg Linnhoff

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Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr