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Ohrenschmaus: Prager Bläseroktett in Göttingen

Kammermusik Ohrenschmaus: Prager Bläseroktett in Göttingen

13 Musiker auf dem Podium: die Obergrenze dessen, was man als Kammermusik bezeichnen kann. Am Sonntag bot das Prager Bläseroktett, erweitert um fünf Musiker, im letzten Aulakonzert der Saison Mozarts „Gran Partita“ und weitere Schmankerln der Bläser-Kammermusik. Ein Ohrenschmaus sondergleichen.

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Begeistert mit musikalischen Schmankerln: das Prager Bläseroktett.

Quelle: Schäfer

Die große Bläserbesetzung – paarweise besetzte Oboen, Klarinetten, Fagotte und Hörner – geht zurück auf die Wiener Klassik. Man nannte sie „Harmoniemusik“, gefragt war sie zur Unterhaltung der adligen Gesellschaft. Gespielt wurde alles, was gerade im Schwange war – gern Opernouvertüren, auch ganze Bühnenwerke. Mit den Rossini-Ouvertüren zu „Die Italienierin in Algier“ und „Tancredi“ eröffneten die Prager Gäste den Abend.

Man kann sich schon vorstellen, was den habsburgischen Adel an dieser Besetzung so reizte. Der Kontrast der weichen Horn-Klänge zu den singenden, bisweilen auch hell aufblitzenden Tönen von Oboen und Klarinetten, die konturenscharfe Grundierung mit den Fagotten – all das ergibt ein ungemein abwechslungsreiches Spiel mit Klangfarben und musikalischen Beleuchtungseffekten.

Göttingen.

Das hat auch der junge tschechische Komponist Martin Hybler (Jahrgang 1977) in seinem einsätzigen Bläseroktett aus dem Jahr 2001 ausgenutzt. Sein Werk arbeitet ebenfalls mit effektvollen Kontrasten; die vom Komponisten mitgeteilte Selbst-Deutung (Willenlosigkeit, Konsumrausch, Verdummung, Leere) war freilich nicht unmittelbar nachzuvollziehen. Das mindert aber nicht die Dichte und Aussagekraft dieser Musik. Mit einem harmlos-heiteren Variationszyklus über die „Champagnerarie“ aus Mozarts „Don Giovanni“ von Joseph Triebensee endete der erste Teil des Abends.

Um so gewichtiger war das Finale mit der „Gran Partita“. Das ist keine leichte Unterhaltung, sondern stellenweise ein Stück vom (musikalischen) Himmel, den Mozart so blau malen kann wie kaum ein anderer. Hochprofessionell und präzise gestalteten die Prager Gäste diese Musik-Paradiese, wunderbar kantabel, mit tief empfundenem Ausdruck und vielen feinen Nuancen: ein Hochgenuss. Zum Dessert gab’s noch mal Rossini als Dank für den prasselnden Applaus.

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