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Olaf Schubert sagt „So!“ in der Stadthalle Göttingen

Comedy Olaf Schubert sagt „So!“ in der Stadthalle Göttingen

Es gibt ihn tatsächlich. Den schlubberigen, blassgelben Pullunder mit den grünen und schwarzen Rauten. In dem bekannten Bühnenoutfit hat Comedian Olaf Schubert gesteckt, als am Donnerstagabend mit seinem Programm „So!“ in der nahezu ausverkauften Göttinger Stadthalle gastierte.

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Verquaste Weisheiten, ungelenke Motorik: Olaf Schubert.

Quelle: Heller

Göttingen. Punkt acht Uhr geht es los. Mit einem gekonnten Jazzrock-Intro eröffnen die Musiker Jochen M. Barkas (Gitarre) und „Herr Stephan“ (Bass und Trompete) den Abend. Aber letztlich warten alle doch nur auf einen: „den neben dem Papst zweitwichtigsten Mitarbeiter der Wahrheit“. Und der kommt, begleitet von Riesen-Applaus auf die Bühne.

 

„Sooo“ begrüßt Schubert im breitesten Sächsisch die Zuschauer „in einer der schönsten Stadthallen“, der er auch „eine gewisse architektonische Extravaganz“ bescheinigt. Scherze über die Stadthalle sind wahrlich nicht neu. Aber wenn der 47-jährige Comedian verschmitzt seine Kunstfigur von der Leine lässt, geht es letztlich auch weniger um das „Was“ als vielmehr um das „Wie“.

 

Vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Salzburger Stier gibt der Dresdener, der auch Stammgast in der Fernsehsendung „heute-show“ ist, seine verquasten, pseudo-sozialkritisch anmutenden Gedanken zum Besten. Schließlich ist der selbsternannte Betroffenheitslyriker und Mahner „gekommen, um Euch wachzurütteln“. Und da er sich „mit Problemen in ganzheitlicher Ausprägung beschäftigt“ sind auch seine Themen weitgefasst. Ernährung und Kita-Streik, die Liebe, Gleichberechtigung und Fremdgehen, der Vormarsch der „Dschihadeure“ in Syrien und das Ausrüstungsdebakel der Bundeswehr („G36, das Sturmgewehr geht nicht mal bei Wind“), Casting-Shows und Globalisierung, digitale Revolution und Datenschutz.

 

Immer wenn der dünne Mann, der auch ein „Konto in der Schweiz, in der Sächsischen Schweiz“ hat, mit einem neuen Thema um die Ecke kommt, klingt der erste Satz noch ganz vernünftig. Aber unbedarft und ungelenk schwurbelt Schubert so lange herum, bis seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten sinnfrei und oft genug in Widersprüchen verheddert sind. Clownereien und Klamauk, schräger Wortwitz und hohe Pointendichte: Das Publikum amüsiert sich sichtlich.

 

Musikalisch überzeugt das Trio, von Ballade bis Hardrock reicht das hörenswerte Spektrum. Allerdings gehören auch hier die gezielt und erwartet schräg gesetzten Töne zum wohl kalkulierten Spiel. Dass der Comedian mit der verklemmten Motorik, der gleichzeitig den Coolen gibt, blitzschnell und hellwach ist, zeigen die spontanen Momente wie eine flackernde Lampe oder zu spät gekommene Zuschauer. Alles wird sofort gekonnt ins Programm eingebaut. Das Publikum war begeistert. Für Riesen-Applaus gab es eine Zugabe.

 

Von Karola Hoffmann

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