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Olli Dittrich mit dem Satirepreis „Göttinger Elch“ geehrt

Große Gala im Deutschen Theater Olli Dittrich mit dem Satirepreis „Göttinger Elch“ geehrt

Der Komiker, Schauspieler, Musiker und Autor Olli Dittrich, der eigentlich Oliver heißt, ist der 13. Träger des „Göttinger Elchs“. Der Satirepreis ist ihm am Sonnabend im Deutschen Theater verliehen worden. Die Jury würdigte den 54-Jährigen als „einen Künstler, der der Fernsehkomik neue Wege erschlossen hat“.

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Brüder im Geiste: Jung-Elch Olli Dittrich liest Texte des großen Komödianten Heino Jaeger.

Quelle: Heller

Und: „Er machte intelligente Comedy, als das noch kein Widerspruch war.“ Vor allem hob das Gremium die Serie „Dittsche“ hervor, in der Dittrich seit 2004 in 30-minütigen Sendungen als Arbeitsloser in Latschen und Bademantel in einem Hamburger Imbiss steht und über Leben und Welt improvisiert. Dies sei „beste aufklärerische Unterhaltung: Während Politiker aus ihrer Verachtung der Unterschicht keinen Hehl machen, gibt Olli Dittrich alias Dittsche den Verlierern, den Gescheiterten mit den Mitteln der Komik ihre Würde zurück“.

Traditionsgemäß waren Vorgänger Dittrichs zur Verleihung gekommen, andere waren wegen eigener Auftritte oder Krankheit verhindert. Doch mit Grußbotschaften unterstützten sie die Entscheidung der Jury und übermittelten dem Jung-Elch Dittrich ihre Hochachtung. Helge Schneider, Elch seit 2009, sendete per Videogruß „aus vollem Herzen Respekt, Herr Dittrich“. „Nobelste Zustimmung“ verkündete Emil Steinberger. Und Hans Traxler machte „eine tiefe Verbeugung vor dem Jung-Elch Dittsche“.

Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) zitierte in seiner Verleihungsrede Dittrich, der sich selbst einmal „Humorsoldat“ genannt habe. „Ein bisschen ähneln wir uns da“, meinte der Oberbürgermeister, er sei „Empfangssoldat“. Dies auszufüllen „gelingt ihnen immer, mir mal mehr, mal weniger“. Schließlich listete Meyer die großen Auszeichnungen Dittrichs auf: zweimal „Bambi“, dreimal Grimme-Preis, einmal Deutscher Fernsehpreis. „Von da ist der Weg zum Elch nicht weit“, verkündete er selbstbewusst und augenzwinkernd.

Den Part des Laudators, diesmal als Überraschungsgast angekündigt, hatte Oliver Maria Schmitt übernommen, Mitherausgeber des Satiremagazins „Titanic“. Und der wollte gleich einen Skandal aufdecken: Der Lobredner, also er selbst, sei eine „absolute Fehlbesetzung“, verkündete Schmitt. Denn er habe im Anschluss an die erste Folge von „Dittsche“ in einer Humorkritik in der „Titanic“ geurteilt: „Das ist nicht komisch.“ Doch die Einsicht folgte: „Inzwischen bin ich glänzend widerlegt.“ Der Serien-Dittsche habe „eine ganz private Weltsicht, an der nichts richtig, aber auch nichts wirklich falsch ist“, sagte Schmitt.

Aber irgendwie gab es an diesem Abend auch einen 14. Elch. Denn Dittrich hat es sich zur (Lebens-)Aufgabe gemacht, den 1997 in der Psychiatrie verstorbenen Heino Jaeger, seit Jahrzehnten Geheimtipp und Bruder im Geiste, ins Rampenlicht zu rücken. Er las Texte des Komödianten und Zeichners, den wenige kennen, aber die Großen schätzen. Loriot verkündete: „Wir Deutschen haben ihn wahrscheinlich nicht verdient.“ Eckhard Henscheid nannte ihn den „Mozart der Komik“ und rief ihm nach: „Wer derart imstande ist, die Realsatire unseres Daseins zu treffen, dessen Asche kann schwerlich ganz sterblich sein.“ Alt-Elch Harry Rowohlt soll sich für eine Jaeger-Gesamtausgabe stark machen und Dittrich meinte: „Heino Jaeger, der wäre auch ein schöner Elch gewesen.“

Mit seiner kongenialen Lesung mit breitem Hamburger Ideom, wie es auch Jaeger sprach, ließ Dittrich den Komiker auferstehen, den manche für den größten deutschen Spaßmacher der 1970er Jahre halten. Jaeger hat sich auf dem Land umgeschaut, da, „wo keine Zahnbürste hinkommt“, so Dittrich. Er blickte in Amtsstuben, schaute auf Würdenträger und Geistliche und entdeckte überall die Menschen. Jaeger entwickelte Hörserien wie „Fragen sie Dr. Jäger“ oder „Lebensberatungspraxis Dr. Jäger“ – und hat darin viel von dem vorweg genommen, das Dittrich heute stark macht.

Er spiegelte liebevoll den ganzen Unsinn wieder, der Menschen entfleuchen kann. Er parodierte den Jedermann und die Jederfrau, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Wie Dittrich beherrschte er zahlreiche Dialekte, wilderte in der Amtssprache und hatte viel Sinn für absurde Komik. Wie Dittrich war Jaeger ein begnadeter Improvisator.

Dass es an der Zeit ist, das komödiantische Werk Jaegers dem Vergessen zu entreißen, zeigten auch die Offenbarungen und Spekulationen im Anschluss an den offiziellen Teil des Abends. In kleiner Runde bekannten zahlreiche Besucher ihre Jaeger-Unkenntnis und einige vermuteten gar hinter Jaeger ein Pseudonym Dittrichs.

Olli Dittrich, seit Jahrzehnten als intelligenter Spaßmacher, begnadeter Improvisator und Parodist eine Ausnahmeerscheinung in der Fernsehlandschaft, istseit Sonnabend, 13. Träger des Satirepreises „Göttinger Elch“.

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Der frisch gekürte Elch Dittrich erklärte schließlich noch seine Ehrfurcht vor seinen Vorgängern. Das seien „ganz, ganz große Namen. Jetzt ein bisschen dazuzugehören, mehr geht nicht.“ Und mit einem Alt-Elch verbindet ihn eine ganz besondere Beziehung. Otto Waalkes habe er mit 16 Jahren in der Hamburger Musikszene kennen gelernt. Schon damals habe der ihm von Heino Jaeger erzählt – und geraten: „Du musst Komiker werden.“

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