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Organist Bernd Eberhardt präsentiert „Die Orgel spielt Oper“

Musikalisches Kolossal-Gemälde Organist Bernd Eberhardt präsentiert „Die Orgel spielt Oper“

Das Orgelkonzert am Silvesterabend ist für die Göttinger ein besonderer Anziehungspunkt in der vorletzten Stunde des alten Jahres. Voll besetzt war die Johanniskirche, als dort Bernd Eberhardt sein Programm „Die Orgel spielt Oper“ vorstellte.

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Höchst virtuos: Bernd Eberhardt an der Orgel.

Quelle: EL

Göttingen. Das Spektrum reichte von Händel über Puccini und Wagner bis Liszt, von der bloßen Übertragung von Orchesterstücken auf die Orgel über an die Orgel angepasste Transkriptionen bis zur speziell für die Orgel komponierten, weit ausgebreiteten Fantasie und Fuge über ein Opernthema.   

Mit Händels Ouvertüre zur Oper „Rodelinda“ erwies Eberhardt den hier vor fast 100 Jahren gegründeten Händel-Festspielen klangprächtig seine Reverenz. Spannend ging es weiter mit zwei Stücken aus Puccinis Oper „Les Villi“, die der sowohl als Juraprofessor in Köln wie auch als Organist in Bonn wirkende Otto Depenheuer wirkungsvoll für die Orgel bearbeitet hat.

Das zweite dieser Stücke, eine „Geisterjagd“, fand seine logische Fortsetzung in Richard Wagners „Walkürenritt“, von dem Eberhardt eine Transkription des Engländers Edwin Lemare vorstellte. Geradezu halsbrecherisch waren die auf den Orgelmanualen dargestellten rasenden Streicherfiguren, zu denen die Bläserpassagen tief drönend im Pedal erklangen. Hojotoho.

Auf diese stürmische Parforcetour antworteten die beiden Stücke aus Wagners „Meistersinger“ mit erhaben-prunkvollem Ton, den der Bearbeiter Sigfrid Karg-Elert sehr genau dem Charakter des Instruments angepasst hat.

Doch all diese Stücke waren fast nur Fingerübungen im Vergleich zum Finale des späten Abends, der Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ von Franz Liszt, der aus Giacomo Meyerbeers Oper „Der Prophet“ stammt. Dieses halbstündige musikalische Kolossal-Gemälde macht den Zuhörer zum zitternden Erdenwurm angesichts der majestätischen, bisweilen auch diabolischen Gewalt der Akkordblöcke und Laufkaskaden.

Hier präsentierte Eberhardt durchdachte Dramaturgie und höchste Virtuosität, mit der er bisweilen an die Grenzen seines Instruments stieß. Auf den strahlenden, lang ausgehaltenen Schlussdreiklang folgte langanhaltender, lautstarker Applaus, den die begeisterten Zuhörer im Stehen spendeten.

Von Michael Schäfer

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