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Originelle Spitznamen und kuriose Weltbetrachtung

Heinz Strunk Originelle Spitznamen und kuriose Weltbetrachtung

Als Heinz Strunk am Montagabend die Bühne im ausverkauften Jungen Theater Göttingen betritt, gibt er sich betont cool, mürrisch und fast schlecht gelaunt.

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Mürrischer Gast im Jungen Theater: Heinz Strunk und seine Erlebnisse in Afrika.

Quelle: Hinzmann

Und doch wirkt das überwiegend studentische Publikum von seiner Person, die für so einen Liveabend eine seltene, geradezu lähmende Resignation ausstrahlt, weder überrascht noch abgeschreckt. Die Zuhörer geben sich sogar gut gelaunt und erwarten anscheinend tatsächlich auch nicht mehr, als der Autor bei seiner nun folgenden Lesung bietet. Er liest einfach vor. Nicht wie andere Autoren, die bei ihren Buchvorstellungen immer noch einige Anekdoten rund ums Buch erzählen. Strunk liest und verzieht dabei kaum eine Miene. Und er nuschelt. Manchmal ist er vor Schnelligkeit gar nicht zu verstehen. Aber das Publikum stört das nicht. Strunk ist bekannt.

Seit seinen Büchern „Fleisch ist mein Gemüse“ und „Die Zunge Europas“ wissen wir, dass er der absolute Spezialist für originell ausbaldowerte Spitznamen und kuriose Weltbetrachtungen ist. Und so fällt der einfache Titel seines neuen Buches auf: „Heinz Strunk in Afrika“. Normalerweise werden in Reiseberichten spektakuläre Dinge beschrieben und gerade weil man bei dem ungewöhnlich schlichten Titel für ein Strunkbuch aufhorcht, könnte man hinter dem Titel einmal ein ganz anderes Buch des Autors vermuten. Aber weit gefehlt: So schlicht der Titel, so schlicht der Urlaub, von dem Strunk berichtet, dafür umso ausschweifender und trocken-gewitzter seine Gedankengänge und Darstellungen dazu. Es ist ein Reisebericht über einen Keniaurlaub in einer Klubanlage. In der Poolbar sitzen, essen, höchstens einen Ausflug in die nächste Stadt. Dazu Männergespräche mit seinem Freund „C.“. Pauschalreise, wie sie leibt und lebt eben. Das Land soll außerhalb der Klubanlage ein weißer Fleck auf der Landkarte bleiben.

Gekonnt ironisch, mürrisch und resigniert und doch peinlich treffend formuliert, wagt der Autor einen ganz anderen Blick auf den von Unruhen und Hungersnöten gebeutelten Kontinent: Denn Strunk hält nichts vom Erlebnisoverkill im Urlaub. Nein Danke, das ist fad. Es gilt nicht, besonders viel zu erleben, sondern möglichst wenig. Und selbst wenn Strunk bei der scharfzüngigen Beschreibung der anderen Urlauber geblieben wäre, lohnte es sich, das Buch zu lesen. („Sie hatte eine Frisur, die aussah, als würde sie seit ihrer Geburt raus wachsen.“ „Babymann Kurt hatte ein Gesicht wie eine übergroße Frucht, die so reif ist, dass man Dellen reindrücken kann.“) Aber doch kommt es, obwohl zunächst anders geplant, dazu, dass Strunk und sein Freund „C.“, nach Mombasa fahren und dort Bekanntschaft machen mit Cola Rum, Prostituierten und Glücksspielautomaten. Am Ende wird Freund „C.“ sogar entführt. Natürlich ist es dann aber doch nicht die eigentliche Handlung (eine Pauschalreise mit viel Alkohol), die das Buch lesenswert macht, sondern die typisch strunksche Trockenheit, von der letztendlich auch die Lesung lebt. Denn auch wenn seine griesgrämige Vortragsart zunächst überrascht, könnte sie doch eigentlich bei dem spöttisch-bösen Inhalt gar keine andere sein.

Von Indra Hesse

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