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„Ozan&Tunç” mit „Ab und Zuwanderer“ im Jungen Theater Göttingen

Comedy „Ozan&Tunç” mit „Ab und Zuwanderer“ im Jungen Theater Göttingen

Locker in der Hüfte kommen „Ozan & Tunç” mit einem Bauchtanz auf die Bühne. Im Jungen Theater sorgt das gleich für gute Laune. Die beiden wissen, wie man für Stimmung sorgt, schließlich sind sie Ensemblemitglieder der Kölner „Stunk Sitzung“ (Ozan Akhan) und des Bonner „Pink Punk Pantheon“ (Tunç Denizer).

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Kabarettabend mit Ozan (links) und Tunc im JT Junges Theater

Quelle: Heller

Göttingen. „Oft vergisst man, dass Zuwanderer gleichzeitig Auswanderer sind, die ihre Heimat verlassen, um in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen.“ Ein Hinweis, der auch gut zur aktuellen Situation im Land passt. Aber Ozan & Tunç wissen auch, wovon sie reden. Ozan ist Zuwanderer. Tunç als Gastarbeiterkind in Hamburg geboren war erst „Kofferkind“, später nach Aufenthalt und Studium in der Türkei Migrant ist er jetzt Immigrant mit deutscher Staatsangehörigkeit.

 

Die beiden ausgebildeten Schauspieler haben eine bunte, mitunter quietschbunte Mischung dabei. Culture clash, der Zusammenprall von Kulturen ist ihr Thema, genauso wie das Zusammentreffen von Menschen, die einfach ganz unterschiedlich sind. In Szenen zeigen die Comedians verrückte Typen, Momentaufnahmen und etwas schräge Geschichten aus dem wahren Leben. Es wird gesprochen, gespielt und vor allem auch getanzt und gesungen samt Beatboxing-Einlagen.

 

Da wird die NSA im Abhörwahn schon mal mit der NSE, dem „Naturschutz Ennepetal“, verwechselt. Und der türkische Macho mutiert zum Schlagerfuzzi, um seiner deutschen Freundin zu gefallen. Der herrlich tapsige „Lothar-40-Single“ versucht, sich mit „Deine Augen machen bling bling“ und einem Moonwalk in die Herzen der Damen zu rappen. Ein Testosteronstrotzender „Kickboxer und Eskalationstrainer“ trifft auf den Prototyp eines Schwulen, der erst beim Kampf um seine Louis-Vuitton-Tasche zum Tier wird. Als Literaturkritiker stellt Tunç ein sehr gelungenes Beispiel für eine „kasachisch-usbekisch-kölsche Integration“ mit illustren Figuren wie „Watt-du-weißt-und-isch-nitt und „Isch-hann-mehr-als-wie-du“ vor. Und zu einer Detektiv-Krimi in „hardboiled“-Manier liefert er sehr gekonnt die Szenengeräusche. Ihre philosophische Sicht zu alltäglichen Phänomenen tragen die „Zu und Abwanderer der Straße“ bei.

 

Die Rollen sind klar verteilt. Tunç gibt den „Klugscheißer“, Ozan sorgt in seiner Neugier eher für die etwas chaotischen Momente. Der Auftritt kommt nicht professionell glatt gebügelt daher, vielmehr besticht das sympathisch, unverkrampft und fröhlich aufspielende Duo aus dem Rheinland mit seiner persönlichen Note und einem Hauch Anarchie. Die Zuschauer hatten sichtlich viel Spaß.

 

Von Karola Hoffmann

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