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Dystopischer Ausblick

„PEAK WHITE oder Wirr sinkt das Volk“ Dystopischer Ausblick

Mit „PEAK WHITE oder Wirr sinkt das Volk“ wagt Kevin Rittberger einen Blick aus der Zukunft auf unsere Gegenwart und inszeniert eine Gesellschaft zwischen Fremdenhass und Nationalismus. Am Freitagabend hatte das Stück Premiere im Deutschen Theater Göttingen.

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Marco Matthes, Nikolaus Kühn, Andrea Strube, Andreas Jeßing und Florian Eppinger (von links).

Quelle: Säckl

Göttingen. Das Bühnenbild ist reduziert auf drei elektrische Rollstühle. Drei greise Männer kommen hinzu, fahren ihre Runden über die Bühne. Bis auf einige verhaltene Lacher herrscht Totenstille im Theatersaal. Die alten Männer spucken die Tabletten wieder aus, die die Pflegerin verteilt, ein vierter Mann fragt ständig nach einer Zugverbindung, ein anderer hält die Pflegerin für seinen Sohn. Ganz normale Alterserscheinungen, mag man denken, Demenz, Verwirrung, Angstzustände.Doch die Männer sind viel mehr gefangen in einem Strudel aus Nationalismus, Fremdenhass, Feindbildern und Ängsten. Versorgt werden sie von einem Pflegeroboter, der sich „Tante Atlanta“ nennt und weder Geschlecht, noch Hautfarbe hat – dafür aber eine Seele, wie er selbst sagt. Gabriel von Berlepsch spielt grandios, diesen Roboter kauft man ihm mit seinen aufgerissenen Augen und seiner lieblichen Roboterstimme sofort ab.Pflegerin Amsel, gespielt von Andrea Strube, fliegt als überdimensionaler Käfer mit einer riesigen Dungkugel zu den Greisen, die  mit „Theater, Fernsehen, Presse – allen auf die Fresse“ zu nationalistischem Singsang angestimmt hatten, als Greise verkleidete Kinder spielen Verstecken, und es wird immer abstruser: Mitten in die traurige Verabschiedung von Amsel, die als letzte menschliche Pflegerin nicht mehr benötigt wird, platzt Atlanta, weiß kostümiert, beladen mit Partyhüten und Konfettikanone und verteilt unter Diskobeleuchtung und Musik die Sektgläser."PEAK WHITE oder Wirr sinkt das Volk“ gibt einen teilweise irrsinnig komisch verpackten Blick auf vier Heimbewohner, die vom Rechtspopulismus zu hasserfüllten, ängstlichen Menschen geformt wurden, und damit auf einen Teil einer möglichen Zukunft. Durch das Herunterrattern von historischen Zusammenhängen, den schnellen Monologen der Protagonisten und den teilweise abstrusen Szenen bleibt das Wesentliche allerdings auf der Strecke und viele Fragen offen. Die nächsten Aufführungen von „PEAK WHITE oder Wirr sinkt das Volk“ im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, sind am 8. Oktober, am 21. und 29. November sowie am 14. Dezember um 19.45 Uhr. Weitere Termine folgen. Kartentelefon: 0551/496911.

Von Tomke Aljets

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